Je näher die Pensionierung rückt, desto präsenter wird die Frage: «Wie lange kann ich eigentlich von meinem Vermögen leben?» Eine klare Antwort darauf gibt es selten. Denn wie lange Ihr Geld tatsächlich reicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Einige davon werden in der Planung häufig unterschätzt. Was Sie dagegen tun können? Sich frühzeitig informieren, die eigene Situation realistisch einschätzen und den Vermögensverzehr bewusst planen. So schaffen Sie die Grundlage dafür, auch im Alter finanziell selbstbestimmt und entspannt leben zu können.

Optimismus ist gut, ein durchdachter Plan ist besser. Das gilt zumindest, wenn es um Ihre Finanzen im Alter geht. «Es wird schon irgendwie reichen» ist hier eine denkbar schlechte Einstellung, obwohl – oder gerade weil – sie immer noch erstaunlich stark verbreitet ist. Denn genau diese Mentalität kann im Alter zum Problem werden: Wer sich ohne Plan ins Abenteuer Ruhestand stürzt, läuft Gefahr, dass das eigene Vermögen schneller schmilzt, als einem lieb ist. Dabei unterschätzen viele, welche Faktoren den Vermögensverzehr im Alter beeinflussen. Wie lange Ihr Geld im Ruhestand reicht, hängt nämlich nicht nur davon ab, wie schnell Sie es ausgeben.

Tipp: Gerade bei der Planung Ihres Vermögensverzehrs im Alter kann professionelle Beratung besonders wertvoll sein. Denn dabei gilt es, verschiedene, zum Teil komplexe Aspekte im Blick zu behalten – von Steuern und Anlagestrategien bis hin zu Ihrer persönlichen Lebensplanung. Ohne eine ganzheitliche Betrachtung gehen wichtige Elemente schnell vergessen. Eine fundierte, strukturierte Planung hilft, Ihr Vermögen so einzusetzen, dass es möglichst lange reicht und zu Ihren individuellen Zielen im Ruhestand passt.

Diese 5 Faktoren beeinflussen, wie lange Ihr Vermögen reicht

1. Die Lebenserwartung in der Schweiz

Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt stetig und gehört heute zu den höchsten weltweit. Aktuell beträgt die durchschnittliche Restlebenserwartung

  • für 60-jährige Männer rund 21,6 Jahre,
  • für 60-jährige Frauen etwa 25,2 Jahre (Stand: 2024).

Die steigende Lebenserwartung bedeutet aber auch, dass Ihre Chancen, (zum Teil deutlich) älter zu werden, nicht zu unterschätzen sind.

Hört sich eigentlich ganz gut an, oder? Ihre persönliche Lebenserwartung ist abhängig von Ihrem Lebensstil, Ihrem Gesundheitszustand und genetischen Faktoren. Entsprechend wichtig ist es, nicht nur auf allgemeingültige Werte zurückzugreifen, wie sie in vielen Pensionierungsplanungen verwendet werden, sondern Ihren Vermögensverzehr individuell auf Ihr Leben zu planen:

Denn: Jedes zusätzliche Lebensjahr im Alter kostet. Planen Sie deshalb nicht «nur» zum Durchschnittsalter, sondern bis mindestens 90 oder sogar 95 Jahre . So stellen Sie sicher, dass Ihr Vermögen für ein langes, erfülltes Leben reicht, und vermeiden das Risiko, sich im hohen Alter finanziell einschränken zu müssen.

So klappt es mit dem Vermögensverzehr im Alter

Wie lange reicht Ihr Vermögen im Ruhestand und wie teilen Sie es sinnvoll ein? In unserem kostenlosen Merkblatt erfahren Sie, wie Sie dafür sorgen, dass Sie im Alter immer genug haben und Ihr Vermögen gleichzeitig wachsen kann.

2. Ihre jährliche Entnahme

Wie viel Geld nehmen Sie jedes Jahr aus Ihrem Ersparten, um Ihre Lebenshaltungskosten und allfällige grössere Anschaffungen zu decken?

Die Entnahmerate ist der stärkste Treiber des Vermögensverzehrs. Wer jedes Jahr nur 1% mehr aus seinem Vermögen entnimmt, kann unter Umständen die Zeitspanne, über die sein Vermögen reicht, um viele Jahre verkürzen.
Auch hier liegt der grösste Fehler meist darin, dass sich viele an pauschalen Entnahmeregeln orientieren, statt an ihrer individuellen Situation. Die richtige Entnahmerate hängt stark von Ihren persönlichen Umständen ab – etwa von

  • Ihrem Vermögen,
  • Ihrem fixen Einkommen (zum Beispiel aus der AHV oder der Pensionskasse, allenfalls haben Sie Mieteinnahmen oder andere Nebeneinkünfte),
  • Ihrer Lebenserwartung
  • und Ihrer Anlagestrategie.

Es ist sinnvoll, Ihre Entnahmerate mit Unterstützung einer Finanzexpertin oder einem Finanzexperten zu planen. Dabei gilt es auch, zu berücksichtigen, dass Sie nicht in jeder Lebensphase gleich hohe Beträge benötigen werden: Sind Sie in den ersten zehn Jahren nach der Pensionierung noch sehr aktiv und möchten sich vielleicht auch den einen oder anderen lang gehegten Wunsch erfüllen, folgt dann meist eine etwas ruhigere, stabilere Phase, bevor die Kosten aufgrund höherer Gesundheits- und Pflegeleistungen wieder ansteigen.

Fallbeispiel: Das bedeutet es, wenn sie nur 1% mehr ausgeben

älteres Paar

Stefan Marti hat sich zu seiner Pensionierung mit 65 ein Vermögen von 800 000 Franken aus Vorsorgegeldern und Ersparnissen aufgebaut.

Für seinen Lebensunterhalt und grössere Anschaffungen entnimmt er nun jedes Jahr 5% aus seinem Vermögen, also 40 000 Franken. Daneben bekommt er eine AHV-Rente von 2500 Franken monatlich. So reicht sein Vermögen noch für 20 Jahre, also, bis er 85 ist.
Entnimmt er jedes Jahr nur 4% aus seinem Vermögen (32 000 Franken), reicht sein Vermögen fünf Jahre länger, also bis 90.

(Disclaimer: In diesem Beispiel wird davon ausgegangen, dass Herr Martis Vermögen keine Rendite erwirtschaftet und sein Vermögen keinen Schwankungen unterliegt.)

3. Die Inflation

Auch eine moderate Inflation reduziert die Kaufkraft über Jahre oder Jahrzehnte hinweg spürbar. Wenn Sie also nur basierend auf effektiven Zahlen rechnen, überschätzen Sie, wie lange Ihr Vermögen reicht.

Denn: Steigt die Inflation in den nächsten Jahren wieder stärker an, während die Sparzinsen weiterhin tief bleiben, verliert Ihr Vermögen Jahr für Jahr an Kaufkraft. Auf Ihrem Konto steht zwar die Zahl, die Sie erwartet haben, allerdings können Sie sich mit dem vorhandenen Geld immer weniger leisten.
Dem entgegenwirken können Sie, indem Sie einen Teil Ihres Vermögens so anlegen, dass es seine Kaufkraft behält oder diese sogar steigen kann. Das ist auch im Alter noch sinnvoll. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag «Geld anlegen im Alter – leben Sie im Ruhestand sorgenfrei».

Tipp: Wie sich die Inflation auf Ihr Vorsorgevermögen vor und im Ruhestand auswirkt, erklären wir in unserem Blogbeitrag «Inflation: das unterschätzte Risiko für Ihre Vorsorge».

Wie lange reicht mein Geld im Alter?

Unser Vermögensverzehrrechner zeigt Ihnen in wenigen Klicks, wie lange Ihr Vermögen im Ruhestand reicht und wie viel Sie monatlich von Ihrem Kapital beziehen können.

4. Die Rendite Ihrer Anlagen nach der Pensionierung

In die gleiche Richtung geht auch der nächste Faktor: Pensioniert zu werden, heisst nicht automatisch, sofort mit dem Geldanlegen aufzuhören. Ganz im Gegenteil. Ihr ausbezahltes Kapital soll nicht untätig auf einem Sparkonto darauf warten, bis Sie es ausgeben, sondern fleissig für Sie arbeiten.

Nach der Pensionierung wird meist defensiver investiert als während des Vermögensaufbaus – schliesslich ist Ihr Anlagehorizont jetzt kürzer, Ihre Risikofähigkeit nimmt ab.

Prüfen Sie Ihre Renditeannahmen also genau, bevor Sie Ihren Vermögensverzehr darauf basieren. Auch hier hilft professionelle Unterstützung.

Sie möchten Geld vererben? Legen Sie es an.

Wer einen Teil seines Vermögens dereinst vererben möchte, kann dieses Kapital deutlich länger investiert lassen. Während Gelder für den laufenden Lebensunterhalt eher defensiv angelegt werden sollten, ist für Kapital mit einem langen Anlagehorizont eine stärker renditeorientierte Anlagestrategie möglich.

Der Grund: Wenn Sie dieses Kapital nicht regelmässig entnehmen müssen, kann es von langfristigen Marktentwicklungen und dem Zinseszinseffekt profitieren. Dadurch steigen die Renditechancen deutlich.

Mehr dazu, wie Sie Ihr Geld auch im Alter so anlegen, dass mehr für die nächste Generation übrig bleibt, erklären wir im Beitrag «So vererben Sie richtig – und mehr».

5. Ihre Steuerlast

Auch die Steuern werden bei der Planung des Vermögensverzehrs häufig unterschätzt. Viele budgetieren für Ihr Leben im Alter nur das Geld, das sie für ihren Lebensunterhalt benötigen. Aber natürlich fallen auch nach der Pensionierung Steuern an:
 
  • Renten aus der AHV und der Pensionskasse sowie allfällige weitere Einnahmen gelten als Einkommen.
  • Ihr verbleibendes Vermögen unterliegt der Vermögenssteuer.
  • Abzüge für die Säule 3a und berufsbezogene Abzüge (so zum Beispiel die Fahrkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort, Kosten für auswärtige Verpflegung und weitere Berufsauslagen und Weiterbildungskosten) können Sie im Ruhestand allerdings nicht mehr geltend machen.
 
Bereits vor der Pensionierung sollten Sie sich damit auseinandersetzen, wie Sie Ihre Steuerlast beim Bezug Ihrer Vorsorgegelder (2. Säule, wenn Sie sich für eine Kapitalauszahlung entscheiden, sowie Säule 3a) optimieren können. Denn eine hohe Steuerlast bei der Pensionierung reduziert letztlich auch den Betrag, der Ihnen im Ruhestand tatsächlich für Ihren Lebensunterhalt zur Verfügung steht.
 
Für die Planung Ihres Vermögensverzehrs bedeutet das: Rechnen Sie nicht nur mit Ihrem gewünschten Ausgabebudget, sondern berücksichtigen Sie auch die Steuerbelastung. Wer seine Entnahmen inklusive Steuern plant, erhält ein deutlich realistischeres Bild davon, wie lange das eigene Vermögen tatsächlich reicht.

Schon kleine Unterschiede bei Ihren Annahmen zu Lebenserwartung, Entnahmerate und der erwarteten Rendite Ihrer Geldanlage im Alter können also darüber entscheiden, ob Ihr Vermögen bis ins hohe Alter reicht oder deutlich früher aufgebraucht ist.

Deshalb lohnt es sich, den Vermögensverzehr bewusst zu planen, statt nur grob zu schätzen. Wenn Sie wissen möchten, wie lange Ihr Vermögen in Ihrer persönlichen Situation voraussichtlich reicht, ist eine individuelle Analyse sinnvoll. In einer professionellen Beratung werden Ihre Einnahmen, Ihre Ausgaben und Ihr Vermögen gesamtheitlich betrachtet und daraus ein fundierter Plan für Ihren Ruhestand entwickelt. So, dass Sie Ihr Leben nach der Pensionierung mit dem guten Gefühl geniessen können, stets finanziell abgesichert zu sein.

Mit professioneller Hilfe mehr aus Ihrem Geld machen.

Gut geplant ist halb gewonnen. Das gilt besonders, wenn es darum geht, Ihren Vermögensverzehr im Alter strukturiert und vorausschauend zu planen. Lernen Sie in einem kostenlosen Beratungsgespräch unsere Expertinnen und Experten kennen und finden Sie gemeinsam die Lösung, die zu Ihnen, Ihrem Vermögen und Ihren Zielen im Ruhestand passt. Damit Sie auch im Alter finanziell selbstbestimmt leben können.

Porträtbild von Arianit Vucetaj

Sebastian Costabile

Senior Wealth Planner

Sebastian Costabile ist Senior Wealth Planner & Relationship Manager und Leiter Region Nordwestschweiz bei Swiss Life Wealth Managers in Basel. Mit 28 Jahren Erfahrung bei Gross- und Kantonalbanken unterstützt er seine Kundinnen und Kunden engagiert auf dem Weg in eine finanziell selbstbestimmte Zukunft. Seine Schwerpunktthemen umfassen Finanz- und Vermögensplanung, Vorsorge, Nachlassregelung und Steuern. Er hält einen MAS in Banking & Finance (CFA® Track) und gibt sein Wissen als Dozent und Prüfungsexperte an die nächste Generation von Finanzplanern und Finanzberatern weiter.

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