Fertig gespart, jetzt wird ausgegeben. Ganz so drastisch verändert sich das Leben mit der Pensionierung natürlich nicht. Allerdings findet für viele jetzt ein wichtiges Umdenken statt: weg vom Sparen, hin zum systematischen Vermögensverzehr. Damit Ihr Vermögen für ein finanziell sorgenfreies Leben reicht, braucht es Durchblick und einen soliden Plan.
Der Übergang in den Ruhestand ist ein entscheidender Wendepunkt für Ihre Finanzen: Jahrzehntelang haben Sie Vermögen aufgebaut, nun beginnt die Phase, in der dieses Kapital gezielt eingesetzt werden soll.
Für viele ist dieser Perspektivenwechsel ungewohnt. Das ist nicht nur normal, sondern sehr verständlich. Statt regelmässig Geld zur Seite zu legen, geht es jetzt plötzlich darum, das vorhandene Kapital so einzuteilen, dass es möglichst lange reicht und gleichzeitig Ihre Lebensqualität sichert.
Genau hier tauchen viele Fragen und Unsicherheiten auf:
- Reicht mein Vermögen?
- Wie viel darf ich jährlich ausgeben?
- Und wie verhindere ich, dass mein Geld durch Inflation und tiefe Zinsen an Kaufkraft verliert?
Ein strukturierter Plan für den Vermögensverzehr im Alter schafft Klarheit und Sicherheit. Er hilft Ihnen, Ihre Einnahmen und Ausgaben realistisch einzuschätzen, finanzielle Risiken zu reduzieren und Ihr Vermögen so einzusetzen, dass es zu Ihrem gewünschten Lebensstil passt.
Wie viel Geld brauche ich im Alter?
Als Faustregel gilt: Im Alter benötigen Sie ca. 80% des bisherigen Einkommens, um Ihren gewohnten Lebensstandard weiterzuführen.
Einen Teil dieses Einkommens erhalten Sie nach der Pensionierung über die 1. Säule (AHV) und die 2. Säule (Pensionskasse). Das reicht jedoch in der Regel nicht, um sich einen sorgenfreien Ruhestand sichern zu können: Mit der 1. und der 2. Säule können Sie im Alter meist nur etwa 60% Ihres bisherigen Einkommens decken. Für die übrigen 20% müssen Sie in diesem Fall während Ihres Arbeitslebens Vermögen in der privaten Vorsorge (3. Säule) ansparen.
Wie Sie eine mögliche Vorsorgelücke erkennen und schliessen können, erklären wir Ihnen in unserem Blog «Vorsorgelücke: Reicht mein Geld fürs Alter?».
Wie lange reicht mein Geld im Alter
Unser Vermögensverzehrrechner zeigt Ihnen in wenigen Klicks, wie lange Ihr Vermögen im Ruhestand reicht und wie viel Sie monatlich von Ihrem Kapital beziehen können.
Ihr Vermögen soll für Sie arbeiten, wenn Sie es nicht mehr tun müssen
Die Vorsorge ist geregelt, Ihr Ruhestand ist geplant – doch was geschieht bei der Pensionierung konkret mit Ihrem Vorsorgevermögen?
Klar ist:
- Die AHV wird Ihnen monatlich als Rente ausbezahlt.
- Ihre Pensionskassengelder können Sie als Rente oder Kapital beziehen (wie Sie die für Sie richtige Entscheidung treffen, zeigen wir Ihnen in unserem Blogbeitrag «Rente oder Kapital: So reicht Ihr Geld ein Leben lang»).
- Ihr Vermögen aus der Säule 3a erhalten Sie in der Regel als Kapital ausbezahlt.
Gerade wer sich für den Kapitalbezug aus der Pensionskasse entscheidet, steht plötzlich vor einer neuen Situation: Sie erhalten viel Geld auf einen Schlag. Was Sie damit anstellen, ist Ihnen überlassen.
Selbstverständlich können Sie Ihr komplettes Vermögen auf einem Sparkonto lassen. Der Vorteil: maximale Flexibilität und jederzeitiger Zugriff, sei es für den laufenden Lebensunterhalt, für lang gehegte Wünsche oder für grössere Investitionen.
Der Nachteil: Ihr Geld erwirtschaftet nur magere Sparzinsen. Steigt gleichzeitig die Teuerung, verliert Ihr Vermögen unter Umständen sogar still und leise an Kaufkraft.
Sinnvoller ist es deshalb, Ihren Vermögensverzehr im Alter bewusst und langfristig zu planen. Ein durchdachter Plan sorgt dafür, dass Sie immer genügend Mittel zur Verfügung haben, um Ihren Lebensunterhalt bestreiten und unerwartete Ausgaben tätigen zu können. Gleichzeitig soll Ihr Kapital stabil bleiben und moderat wachsen können.
Sie haben ein Leben lang für Ihr Vermögen gearbeitet. Jetzt soll es für Sie arbeiten und Ihnen genau das Leben ermöglichen, das Sie sich im Alter wünschen.
Fallbeispiele: Wollen Sie vererben oder verbrauchen?
Nicht alle Pensionärinnen und Pensionäre haben die gleichen Voraussetzungen, Lebensziele und Vermögenssituationen. Entsprechend unterschiedlich sind die Szenarien auch, wenn es um den Vermögensverzehr geht.
Das Ziel von Reto (67) und Myriam (63) Bühler: die Lebensdauer ihres Vermögens verlängern.
Reto und Myriam Bühler müssen ihr Kapital langfristig aufbrauchen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. Ein strukturiert aufgebautes Anlagekonzept trägt dazu bei, dass das eigene Vermögen länger reicht. Dabei können sie ein moderates Risiko eingehen.
Das Ziel von Jacques (65) und Carole (64) Kessler: Vermögen schützen und vermehren.
Das Ziel von Jacques (65) und Carole (64) Kessler: Vermögen schützen und vermehren.
Das Ziel von Bruno (66) und Lydia (66) Lehmann: Vermögen weitergeben.
Bruno und Lydia Lehmann sind auf einen Teil ihres Vermögens und dessen Erträge nicht angewiesen. Ihr Anliegen ist es, ihren Kindern dereinst einen substanziellen Betrag zu vererben. Entsprechend können sie diesen Teil ihres Kapitals langfristiger und mit höheren Renditechancen anlegen.
Verbrauchskapital und Anlagekapital: So klappt der strukturierte Vermögensverzehr im Alter
Um einen strukturierten, nachhaltigen und sicheren Vermögensverzehr im Alter sicherzustellen, hat es sich bewährt, das eigene Vermögen in zwei Töpfe einzuteilen:
- das Verbrauchskapital
- das Anlagekapital
Wie der Name schon sagt, wird ein Teil des Vermögens dem laufenden Verbrauch zugeteilt, während der andere Teil angelegt wird und wachsen kann.
Das Verbrauchskapital
- Das Verbrauchskapital ist dafür bestimmt, Ihre laufenden Ausgaben zu decken und grössere Anschaffungen in naher Zukunft zu finanzieren. Es beinhaltet zudem eine Rücklage, auf die Sie bei Unvorhergesehenem zugreifen können.
- Dieser Teil Ihres Vermögens muss sicher aufbewahrt werden und jederzeit verfügbar sein. Deshalb ist es auf Ihrem Bankkonto gut aufgehoben.
- Das Verbrauchskapital sollte Ihre Ausgaben für rund zwei bis drei Jahre zuverlässig decken.
- Seine Höhe basiert auf Ihrem persönlichen Budget.
Das Anlagekapital
- Das Anlagekapital ist der Teil Ihres Vermögens, der nach Abzug des Verbrauchskapitals für zwei Jahre übrig bleibt.
- In dem Zeitraum, in dem es nicht für den täglichen Bedarf benötigt wird, darf es für Sie arbeiten und Rendite erwirtschaften.
- So stellen Sie sicher, dass Ihr Vermögen nicht untätig rumliegt und an Kaufkraft verliert, sondern auf Ihre Lebensziele einzahlt.
- Eine bewährte Strategie für Anlagen im Alter besteht darin, Ihr Vermögen wie eine Pensionskasse anzulegen, also mit einer ausgewogenen Balance zwischen Sicherheit und Renditechancen. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag «Anlegen wie eine Pensionskasse» und in unserem kostenlosen Merkblatt dazu.
Wichtig ist zudem ein klar geregelter Prozess: Ihr Verbrauchskapital wird regelmässig aus dem Anlagekapital aufgefüllt, sodass Ihnen immer genug für Ihren Lebensunterhalt bleibt.
Eine durchdachte Strategie plant diese regelmässigen Überträge von Anfang an ein und sorgt für planbare Liquidität. So können Sie Ihr Leben im Alter gelassen und gut abgesichert geniessen, ohne sich ständig aktiv um Ihre Finanzen kümmern zu müssen.
Reicht Ihr Vermögen für den Ruhestand?
Finden Sie heraus, wie Sie Ihr Vermögen im Ruhestand optimal einteilen. In einem unverbindlichen Erstgespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen Ihnen konkrete nächste Schritte für einen strukturierten Vermögensverzehr im Alter.
Das macht eine gute Strategie für Ihren Vermögensverzehr im Alter aus
Natürlich ist es immer wichtig, Ihr Anlagekapital so zu investieren, dass es zu Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikofähigkeit und -toleranz passt.
Eine wirklich gute Strategie – und eine fundierte Beratung – setzt aber schon einen Schritt davor an: bei der Frage, wie Sie im Alter leben möchten.
- Was ist Ihnen wichtig?
- Wie sieht Ihr ideales Leben nach der Pensionierung aus?
- Möchten Sie dereinst einen Teil Ihres Vermögens vererben?
Schliesslich geht es hier nicht nur um Zahlen und Renditen. Es geht darum, Ihnen genau das Leben zu ermöglichen, das Sie sich für Ihren Ruhestand wünschen.
Piero Huwyler
Senior Wealth Planner
Piero Huwyler ist Senior Wealth Planner und Niederlassungsleiter von Swiss Life Wealth Managers am Standort Bern. Als eidg. dipl. Betriebsökonom FH, Absolvent der International Bankers School in New York und Certified Client Relationship Manager verfügt er neben fundiertem Finanzdienstleistungs-Know-how und Bankfachwissen über eine vielseitige, internationale Perspektive. Zusätzlich zu seiner langjährigen Führungs- und Coachingerfahrung bringt er umfangreiche Expertise in der ganzheitlichen Beratung und Betreuung einer anspruchsvollen Anlagekundschaft mit.