Der Kapitalbezug gewinnt bei immer mehr Neurentnerinnen und Neurentnern an Beliebtheit. Die lebenslange Rente verliert an Attraktivität, auch im Jahr 2024. Warum das so ist und wie hoch die Kapitalleistungen aus der Pensionskasse sind, erfahren Sie hier.
45% aller Personen, die 2024 Pensionskassenleistungen bezogen, entschieden sich für eine reine Kapitalauszahlung. Weitere 19% wählten eine Kombination aus Rente und Kapital, während lediglich 36% die Rente bevorzugten. Die Zahlen bestätigen einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet: Immer mehr Neurentnerinnen und Neurentner ziehen eine einmalige Kapitalauszahlung einer lebenslangen Rente vor – und das, obwohl wir immer älter werden und das Vorsorgekapital entsprechend auch immer länger reichen muss. Was macht den Kapitalbezug so attraktiv?
Trend ungebrochen – wegen tiefer Zinsen?
In den vergangenen sieben Jahren stieg die Zahl der Personen, die eine Kapitalauszahlung gewählt haben, kontinuierlich an. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Sicherlich spielen die höhere Flexibilität und die attraktive Steuerplanung eine wichtige Rolle. Die Entscheidung «Kapital oder Rente» sollte aber gut überlegt sein. Denn wer sich für eine Kapitalauszahlung entscheidet, muss sich selbst darum kümmern, dass das ausbezahlte Kapital bis ans Lebensende reicht. Eine lebenslange Rente hingegen bietet mehr Sicherheit und erfordert weniger Eigenverantwortung.
Median beim Kapitalbezug bei über 130 000 Franken
Auch die Höhe der bezogenen Beträge steigt Jahr für Jahr: 2024 betrug der Medianbetrag beim Kapitalbezug für die Pensionierung pro Kopf rund CHF 137 720 aus der beruflichen Vorsorge (Pensionskasse und Freizügigkeitsleistungen). Das sind rund 12% mehr als im Vorjahr. Aus der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) betrug der Medianbezug CHF 47 345.
Und wie sieht’s bei den Renten aus? Der Median der neuen Altersrenten betrug pro Person CHF 1853 aus der ersten Säule (AHV) und CHF 1680 bei den Renten aus der zweiten Säule (berufliche Vorsorge).
Ob das reicht, um finanziell selbstbestimmt leben zu können? Das hängt von der individuellen Situation ab. Mit unserem Pensionsrechner können Sie sich in wenigen Klicks einen Überblick über Ihre finanzielle Situation nach der Pensionierung verschaffen. So erfahren Sie in zwei Minuten, ob Sie eine Vorsorgelücke aufweisen, also zu wenig Geld angespart haben, um auch nach der Pensionierung Ihren gewohnten Lebensstandard halten zu können.
Vorsorge selbst planen oder Expertenhilfe annehmen?
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Grosse Unterschiede bei Bezügen von Frauen und Männern
Ein Blick auf die geschlechterspezifischen Zahlen zeigt deutliche Differenzen:
- Kapitalleistungen aus der 2. Säule: Männer erhielten 2024 im Median CHF 201 825, Frauen hingegen lediglich CHF 82 942.
- Rentenleistungen: Auch hier besteht eine signifikante Lücke. Der Medianbetrag lag bei Männern bei CHF 2042, bei Frauen bei CHF 1227.
Die Ursachen dafür liegen wohl vor allem in den unterschiedlichen Erwerbsbiografien: Nach wie vor sind es vor allem die Frauen, die Erwerbspausen einlegen und häufiger Teilzeit arbeiten. Aber auch die generelle geschlechterspezifische Lohnungleichheit trägt dazu bei, dass Frauen im Alter deutlich tiefere Leistungen in Anspruch nehmen können.
Tipp: In unserem Blogbeitrag zum Gender Pension Gap zeigen wir auf, wie Frauen ihre Vorsorge gezielt optimieren können.
Frühpensionierung nur für Spitzenverdiener möglich?
Nicht nur bei den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede, sondern auch beim Einkommen. Besonders stark zeigen sich diese, wenn es um die Frühpensionierung geht.
Bezügerinnen und Bezüger einer neuen Kapitalleistung aus der beruflichen Vorsorge im Rahmen der Pensionierung, 2024
| Alter | Anzahl Personen | Medianbetrag in CHF |
| Total | 71 856 | 137 720
|
| 58 Jahre | 549 | 271 728 |
| 59 Jahre | 840 | 204 387 |
| 60 Jahre | 4 455 | 123 353 |
| 61 Jahre | 4 205 | 112 952 |
| 62 Jahre | 5 841 | 122 407 |
| 63 Jahre | 7 210 | 148 634 |
| 64 Jahre | 16 570 | 101 608 |
| 65 Jahre | 19 443 | 183 428 |
| 66 Jahre | 4 894 | 132 622 |
| 67 Jahre | 2 101 | 128 594 |
| 68 Jahre | 1 580 | 143 292 |
| 69 Jahre | 2 277 | 115 317 |
| 70 Jahre | 1 891 | 213 480 |
Umfassende Informationen für Ihre Pensionierungsplanung
Wer kurz vor der Pensionierung steht und überlegt, ob und in welchem Umfang ein Kapitalbezug sinnvoll sein könnte, sollte gut informiert sein. Denn die richtige Entscheidung hängt stark von den persönlichen Bedürfnissen ab. Unser kostenloses Merkblatt «Rente oder Kapital – oder beides?» beantwortet Fragen zu einer der wichtigsten finanziellen Entscheidungen Ihres Lebens.
Kapitalbezug muss gut überlegt sein
Viele Gründe sprechen für den Kapitalbezug. Dennoch gibt es Lebensumstände, in denen eine Rente die bessere Wahl ist. In unserem Blogbeitrag «Rente oder Kapital» stellen wir die Vor- und Nachteile beider Varianten ausführlich vor.
Entscheiden Sie sich für den Kapitalbezug, müssen Sie bereit sein, sich selbst darum zu kümmern, dass Ihr Vermögen für den Rest Ihres Lebens reicht. Das bedeutet viel Freiheit, erfordert aber eine sorgfältige Planung und ein hohes Mass an Eigenverantwortung.
Genau deshalb lohnt sich eine individuelle Beratung besonders dann, wenn Sie sich gerade mit der Frage «Rente oder Kapital?» beschäftigen. So stellen Sie sicher, dass Ihnen die Konsequenzen Ihrer Entscheidung bewusst sind und Sie die für Ihre persönliche Situation beste Lösung finden. Entscheiden Sie sich für den Kapitalbezug, empfiehlt es sich, die Unterstützung von Expertinnen und Experten in Anspruch zu nehmen und gemeinsam eine solide, durchdachte und langfristig ausgerichtete Strategie zu entwickeln, die Ihre Finanzen im Alter optimal absichert.
*Quelle: Neurentnerstatistik 2024 des Bundesamtes für Statistik (BFS)
Tobias Kipfer
Financial Consultant & Relationship Manager
Tobias Kipfer ist Financial Consultant & Relationship Manager mit Fokus auf langfristigen Finanzplanungen und individuellen Vermögensverwaltungen bei Swiss Life Wealth Managers in Winterthur. Nach seinem Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftslehre an der HSG St. Gallen absolvierte er ein Praktikum im Financial Consulting und Wealth Management und bildete sich zum Finanzexperten weiter.