Der Übergang in den Ruhestand muss längst nicht mehr abrupt und definitiv sein. Viele Menschen in der Schweiz entscheiden sich für eine Teilpensionierung, um schrittweise in ihren neuen Lebensabschnitt zu starten. Gleichzeitig gewinnt das Thema «Arbeiten nach der Pensionierung» auch gesellschaftlich zunehmend an Wichtigkeit.

Die Zeit des klassischen Ruhestands, der abrupt mit dem Erreichen eines bestimmten Alters beginnt, gehört der Vergangenheit an. Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile einer gestaffelten Pensionierung und entscheiden sich, Schritt für Schritt in den Ruhestand zu treten – entweder vor dem Erreichen des Referenzalters oder danach. Das ist für viele eine Chance, erfordert aber auch eine sorgfältige Planung, um den selbstbestimmten Berufsaustritt finanziell und persönlich optimal zu gestalten.

Was bedeutet Teilpensionierung konkret?

Bei der Teilpensionierung wird die Erwerbstätigkeit in Etappen reduziert. Anders als bei einer klassischen Pensionierung bedeutet das: Sie bleiben beruflich noch aktiv – aber mit geringerem Pensum und mehr Freizeit. So können Sie sich allmählich an den neuen Lebensabschnitt gewöhnen, ohne abrupt aus dem gewohnten Alltag auszusteigen. Diese sanfte Übergangsform kann sich nicht nur positiv auf das Wohlbefinden auswirken, sondern hilft auch, finanzielle und emotionale Herausforderungen besser zu steuern.

Ein weiterer Vorteil: Sie können weiterhin Beiträge in die Pensionskasse leisten oder einen späteren Bezug der Leistungen planen. Das bietet zusätzlichen Spielraum für Ihre persönliche Vorsorgeplanung. Eine Teilpensionierung heisst aber nicht automatisch, dass Sie vor Erreichen des Referenzalters Ihr Pensum schrittweise reduzieren - wer sich teilpensionieren lässt, kann auch über das Referenzalter hinaus arbeitstätig bleiben. 

Warum arbeiten viele nach der Pensionierung weiter?

Arbeiten nach der Pensionierung ist längst kein Tabu mehr – im Gegenteil. In der Schweiz arbeitet etwa ein Viertel der Bevölkerung über das Referenzalter hinaus, wie eine Studie von Swiss Life zeigt. Beinahe die Hälfte der aktuell 50- bis 63-/64-Jährigen wäre bereit, länger zu arbeiten, sofern Gesundheit, Arbeitsbedingungen und finanzielle Aspekte stimmen.

Warum das so ist? Viele Menschen möchten sich auch nach dem offiziellen Rentenalter noch sinnvoll einbringen. Manche nutzen ihre Erfahrung in einer beratenden Funktion oder gründen ein eigenes kleines Unternehmen. Andere bleiben ihrem alten Arbeitgeber mit reduziertem Pensum treu. In allen Fällen gilt: Wer weiterarbeiten möchte, sollte die Rahmenbedingungen gut kennen und frühzeitig planen. So unterliegt Einkommen nach dem ordentlichen Rentenalter weiterhin der AHV-Beitragspflicht – allerdings nur über einen monatlichen Freibetrag hinaus. Auch steuerlich kann sich das Erwerbseinkommen auf die Gesamtsituation auswirken. Und wer seine Pensionskassengelder noch nicht bezogen hat, kann durch die Weiterarbeit die Rente unter Umständen sogar erhöhen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber bereit ist, die Anstellung über das Referenzalter hinaus zu verlängern oder neu zu regeln.

Ihr Fahrplan zur Teilpensionierung

  • Ab 55: Finanzen prüfen, Szenarien simulieren
  • Mit 58–60: Gespräche mit Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber, der Vorsorgeberaterin oder dem Vorsorgeberater und Ihrer Familie führen 
  • Mit 60+: Entscheidung für ein Modell, Anmeldung bei der Pensionskasse, Umsetzungsplanung

Teilpensionierung als strategischer Vorsorgeschritt

Die Entscheidung für eine Teilpensionierung will gut vorbereitet sein. Denn sie beeinflusst das Einkommen, die Altersvorsorge und die steuerliche Situation. Viele Unternehmen bieten heute flexible Lösungen an – etwa die Möglichkeit, in mehreren Schritten aus dem Berufsleben auszusteigen. Ob einmalige Reduktion, mehrstufige Pensionierung oder ein individuelles Modell: Wichtig ist, dass die Lösung zu Ihrer Lebenssituation passt. Eine Teilpensionierung eröffnet Ihnen die Chance, Leistungen aus der beruflichen Vorsorge (2. Säule) und der gebundenen Selbstvorsorge (3a) gezielt über die Zeit hinweg zu beziehen. Dadurch lassen sich steuerliche Belastungen glätten und die Liquidität besser planen.

Darauf sollten Sie bei der Planung achten: 

  • Vorausschauende Planung für eine Einkommenssicherung und eine Geldanlage auch nach der Erwerbsaufgabe
  • Steuerliche Auswirkungen, weil ordentliche und ausserordentliche Beiträge an Vorsorgeeinrichtungen oft steuerlich abzugsfähig sind
  • Wahl der passenden Gestaltung nach Ihren Bedürfnissen – ob sicheres Einkommen durch Vorbezug oder Aufschub der AHV-Rente, gestaffelte Einkäufe in die Pensionskasse, oder gestaffelte Auszahlungen von Kapitalleistungen
  • Kantonale Unterschiede, denn je nach Kanton gelten andere Regelungen zur schrittweisen Reduktion des Arbeitspensums und zum gestaffelten Bezug der Altersleistungen
  • Beratung durch Expertinnen und Experten, da aufgrund der Komplexität und des erforderlichen Fachwissens eine professionelle Beratung ratsam ist

Pensionskassenreglement beachten

Seit 1. Januar 2024 sind Pensionskassen gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Versicherten die Teilpensionierung zu ermöglichen. Der Blick ins Reglement der eigenen Pensionskasse ist jedoch wichtig. Denn hier ist festgelegt, ab und bis zu welchem Alter die Teilpensionierung möglich ist. Gesetzlich ist eine Zeitspanne von 58 bis 70 Jahren zulässig.

So gelingt der Weg in die Teilpensionierung

Ein erfolgreicher Übergang beginnt mit guter Vorbereitung. Idealerweise beschäftigen Sie sich ab dem 55. Lebensjahr aktiv mit Ihren Möglichkeiten. Vereinbaren Sie Gespräche mit Ihrer Pensionskasse und dem Arbeitgeber, um die Rahmenbedingungen abzuklären. Holen Sie zudem eine unabhängige Finanzberatung ein – je früher, desto mehr Handlungsspielraum bleibt Ihnen.

Zu den konkreten Schritten zählen:

  • Eine realistische Einschätzung Ihrer Ausgaben und Einnahmen im Ruhestand.
  • Eine Analyse Ihrer Vorsorgesituation inklusive Simulation verschiedener Teilpensionierungsmodelle.Die frühzeitige Kommunikation mit dem Arbeitgeber. 
  • Die rechtzeitige Meldung bei der Pensionskasse, in der Regel mindestens zwölf Monate vor dem geplanten ersten Schritt der Pensionierung.

Machen Sie jetzt den wichtigsten Schritt

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich individuell beraten zu lassen und alle Themen zu diskutieren, die Ihnen rund um Ihre Finanzplanung und die Pensionierung am Herzen liegen. Melden Sie sich jetzt für ein kostenloses Erstgespräch an.

Arbeiten nach der Pensionierung: selbstbestimmt, flexibel und aktiv

Wer nach dem offiziellen Rentenalter weiterarbeitet, tut das heute meist aus Überzeugung. Viele empfinden es als Bereicherung, ihr Wissen weiterzugeben oder mit jüngeren Generationen zusammenzuarbeiten. Die Anforderungen dabei sind oft andere: Der Wunsch nach Flexibilität, Wertschätzung und überschaubarer Verantwortung tritt stärker in den Vordergrund. Ob in einem kleinen Teilzeitpensum, projektbezogen oder ehrenamtlich – es gibt viele Formen, den eigenen Erfahrungsschatz sinnvoll einzubringen.

Wichtig dabei ist, auf die eigene körperliche und psychische Verfassung zu achten und eine Balance zwischen Engagement und Entlastung zu finden.

Mit Weitblick in eine neue Lebensphase: Teilpensionierung und Arbeiten nach der Pensionierung sind heute gelebte Realität und eröffnen viele Möglichkeiten, den Ruhestand aktiv und individuell zu gestalten. Wer frühzeitig plant und sich umfassend beraten lässt, behält die Kontrolle über seine finanzielle Situation und kann den Übergang als Chance begreifen: für mehr Lebensqualität, neue Freiheiten und einen weiterhin erfüllten Alltag.

Länger arbeiten – eine Lösung für den Schweizer Arbeitsmarkt?

Die alternde Gesellschaft stellt den Schweizer Arbeitsmarkt vor grosse Herausforderungen: Mit der Pensionierung der Babyboomer-Generation und einer seit Jahrzehnten sinkenden Geburtenrate (von 2,7 Kindern pro Frau im Jahr 1964 auf 1,33 im Jahr 2023) steigt der Druck auf Unternehmen, offene Stellen zu besetzen. Besonders in der IT und im Gesundheitswesen verschärft sich der Fachkräftemangel.

Ungenutztes Potenzial älterer Arbeitskräfte
Ein möglicher, durchaus vielversprechender Ansatz liegt in der stärkeren Integration älterer Arbeitskräfte. Gemäss einer Swiss Life-Studie arbeitet derzeit nur ein Fünftel der Befragten über das Referenzalter hinaus - obwohl 42 Prozent dies grundsätzlich in Erwägung ziehen würden. Dabei bringen ältere Mitarbeitende nicht nur viel Erfahrung, sondern auch ein hohes Mass an Loyalität und Anpassungsfähigkeit mit - wertvolle Eigenschaften für alle Arbeitgebenden. 

Notwendige Anpassungen
Um mehr ältere Fachkräfte im Arbeitsmarkt halten zu können - unabhängig von ihrem Pensum nach Erreichen des Referenzalters-, bedarf es jedoch, eingie Hürden abzubauen:

  • Flexiblere Arbeitsgesetze: Unternehmen sollten es erleichtert werden, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über das Referenzalter hinaus zu beschäftigen.
  • Steuer- und Sozialversicherungssystem anpassen: Finanzielle Nachteile für weiterarbeitende Pensionierte müssen reduziert werden, um einen Anreiz zur längeren Erwerbstätigkeit zu schaffen.

Durch gezielte Reformen könnte das Potenzial älterer Arbeitskräfte besser genutzt und der Fachkräftemangel entschärft werden - und die Personen, die  sich flexibel pensionieren lassen möchten und gerne auch über das Referenzalter hinaus in ihrem Job tätig sind, ihr Leben noch finanziell selbstbestimmter leben. 

Quellen: Studie «Alternde Schweiz Arbeitsmarktdynamik für nachhaltiges Wachstum überdenken», Deloitte, 2025, Studie «Länger leben – länger Arbeit geben?», Swiss Life, 2021

Wenn Sie im Detail wissen möchten, wie Sie Ihren schrittweisen Ausstieg aus dem Berufsleben planen und Ihren Lebensstandard heute und morgen sichern können, empfehlen wir Ihnen unsere Checkliste «Planen Sie Ihre Teilpensionierung Schritt für Schritt» und unser Merkblatt «Jetzt Pensionierung planen. Für eine Zukunft nach Ihren Vorstellungen».

Porträtbild von Anita Obrist, Expertin Vorsorge- und Finanzplanung bei Swiss Life Wealth Managers

Anita Obrist

Expertin Vorsorge- und Finanzplanung

Anita Obrist ist eidg. dipl. Finanzplanungsexpertin und verfügt über umfassende Fachkenntnisse und langjährige Erfahrung in der Finanzbranche. Derzeit leitet sie das Team Qualitätsmanagement und Ausbildung der Swiss Life Wealth Management AG. Neben einem CAS in Unternehmensnachfolge verfügt sie über einen Abschluss als dipl. Betriebswirtschafterin HF. In ihrer über 20-jährigen Karriere hat sie in verschiedenen Positionen bei unterschiedlichen Finanzinstituten gearbeitet und ist regelmässig als Referentin bei diversen Fachanlässen aufgetreten.

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