Wer gut verdient, geht oft davon aus, dass auch der Ruhestand finanziell komfortabel ausfallen wird. Leider rechnet die Altersvorsorge aber nicht mit Bauchgefühl, sondern mit Systemgrenzen. Gerade für Gutverdienende reichen AHV und Pensionskasse nämlich häufig nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern. Wer sich frühzeitig und durchdacht um seine private Altersvorsorge kümmert, schafft mehr als nur Sicherheit im Alter: Flexibilität, steuerliche Vorteile und die Freiheit, auch später noch so zu leben, wie es zu den eigenen Ansprüchen passt.
Ein hohes Einkommen ist beruhigend. Sich darauf zu verlassen, dass die Altersvorsorge damit mithält, eher nicht. Viele Gutverdienende stellen erst spät fest, dass zwischen ihrem aktuellen Einkommen und den Vorsorgeleistungen aus AHV und PK manchmal eine erstaunlich grosse Lücke klafft. Je höher das Einkommen, desto wahrscheinlicher der Fehlglaube, dass es «schon irgendwie reichen» wird. Tatsächlich ist die private Altersvorsorge aber für Gutverdienende nicht nur ein absolutes Muss, sondern auch ein strategischer Hebel für Vermögensaufbau, Steueroptimierung und finanzielle Freiheit.
Die Altersvorsorge sichert den Lebensstandard immer weniger ab
Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt kontinuierlich. So erfreulich diese Entwicklung ist: Sie bedeutet eine grosse Herausforderung für die staatliche und die berufliche Altersvorsorge. Denn je länger die Menschen in der Schweiz leben, desto weniger können die staatliche und die berufliche Vorsorge den Lebensstandard nach der Pensionierung absichern.
- Für die AHV bedeutet eine steigende Lebenserwartung bei unverändertem Renteneintrittsalter immer längere Rentenbezüge, ohne dass mehr bzw. länger eingezahlt wird. Diese Entwicklung ist massgeblich für die Milliardendefizite mitverantwortlich, die der AHV für die nächsten Jahrzehnte prognostiziert werden.
- In der Pensionskasse heisst ein längeres Leben einfach gesagt: Das vorhandene Kapital muss länger reichen. Gerade im Überobligatorium* führt das häufig zu tieferen Umwandlungssätzen und damit zu tieferen Renten.
- Bei der privaten Altersvorsorge hat eine höhere Lebenserwartung zur Folge, dass Ihr Erspartes immer länger verwaltet und mit Bedacht angelegt werden muss, um Ihren gewohnten Lebensstil im Alter mitzufinanzieren.
* Das Überobligatorium bezeichnet Leistungen der Pensionskasse, welche über das gesetzliche Minimum hinausgehen. Dies können beispielsweise versicherte Lohnbestandteile über CHF 90 720 sein.
Warum AHV und PK bei hohen Einkommen noch weniger ausreichen
Die klassische Altersvorsorge stösst bei höheren Einkommen systembedingt an Grenzen: AHV und Pensionskasse sind nicht darauf ausgelegt, jeden Franken Ihres bisherigen Lohns im Alter zu ersetzen. Die staatliche und die berufliche Vorsorge bilden zwar eine solide Basis, insbesondere für tiefe bis mittlere Einkommen, können höhere Einkommen aber nur bedingt abdecken:
- In der AHV (1. Säule) ist die Rente nach oben begrenzt: Die maximale Altersrente beträgt CHF 2520 pro Monat (Stand 2026), bzw. CHF 32 760 pro Jahr inkl. 13. AHV-Rente. Um den Maximalbetrag zu bekommen, ist ein durchschnittliches Jahreseinkommen von mindestens CHF 90 720 (Stand 2026) über die gesamte Beitragsdauer (lückenlos ab 21) erforderlich. Das bedeutet: Auch wenn Ihr Lohn deutlich höher ist, erhalten Sie aus der 1. Säule nur die Maximalrente.
- Auch in der beruflichen Vorsorge (2. Säule) gibt es Grenzen: Die gesetzlichen Bestimmungen sorgen dafür, dass eine Grundvorsorge existiert. Das führt dazu, dass bei hohen Einkommen nicht der ganze Lohn versichert ist. Alle besseren Leistungen wie z. B. ein höherer versicherter Lohn oder höhere Sparbeiträge sind Teil der überobligatorischen Leistungen Ihrer Pensionskasse. Mehr zur zweiten Säule finden Sie in unserem umfassenden Ratgeber «BVG und Pensionskasse: alles Wissenswerte zur beruflichen Vorsorge».
Fallbeispiel
Tamara Gashi, 46, Teamleiterin HR
Tamara Gashi verdient als Teamleiterin in einem KMU rund CHF 150 000 in einem 100%-Pensum. Zur Weiterführung ihres gewohnten Lebensstandards im Alter benötigt sie rund 80% davon, also etwa CHF 120 000 pro Jahr.
Maximale AHV-Rente: CHF 32 760
Maximale BVG-Rente ohne Überobligatorium: CHF 25 690
Total Rentenbezüge pro Jahr: CHF 58 454
Vorsorgelücke pro Jahr: CHF 61 500
Dieses Beispiel bildet das gesetzliche Minimum ab. Je nach Pensionskasse kann das Überobligatorium die Lücke verkleinern, nur sehr selten verschwindet sie dadurch vollständig.
Das Beispiel zeigt: Nicht das Einkommen allein entscheidet über den Lebensstandard im Alter, sondern wie viel davon tatsächlich durch AHV, Pensionskasse und private Vorsorge abgedeckt wird. Gerade bei höherem Einkommen wächst der Anteil, für den man Eigenverantwortung übernehmen muss. Die private Altersvorsorge darf für Gutverdienende also kein «Nice to have» sein, sondern ein essenzieller Teil der Finanzplanung.
Vorsorgelücke in wenigen Klicks ermitteln
Unser Pensionsrechner zeigt Ihnen, ob Ihre Vorsorge ausreicht oder wie gross Ihre Vorsorgelücke tatsächlich ist.
Vier Tipps, wie Gutverdienende ihre private Altersvorsorge gezielt stärken können
- Säule 3a konsequent ausschöpfen
Wer es sich leisten kann, sollte die Säule 3a Jahr für Jahr möglichst ausschöpfen. So stärken Sie nicht nur die private Altersvorsorge, sondern nutzen in der Regel auch spürbare Steuervorteile. Lassen Sie Ihr 3a-Guthaben nicht einfach auf dem Vorsorgekonto liegen, sondern legen Sie es an, profitieren Sie langfristig zusätzlich von Renditechancen, besonders bei einem langen Anlagehorizont.
Gut zu wissen: Versäumte Einzahlungen müssen nicht in jedem Fall versäumt bleiben. Ab 2026 können Beitragslücken ab 2025 unter bestimmten Voraussetzungen nachträglich ausgeglichen werden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Blogbeitrag zu nachträglichen 3a-Einzahlungen. - Einkäufe in die Pensionskasse prüfen
Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse können gleich zwei Vorteile mit sich bringen: mehr Vorsorge, weniger Steuern. Wirklich sinnvoll sind sie für Gutverdienende aber vor allem dann, wenn ihre Pensionskasse im Überobligatorium gute Leistungen bietet und sie noch genügend Zeit bis zur Pensionierung haben. Mehr dazu lesen Sie in unserem Merkblatt «Einkauf in die Pensionskasse – lohnt sich dies auch für mich?» - Freie Vorsorge gezielt aufbauen
Die freie Vorsorge hat einen Vorteil, den gebundene Lösungen nicht bieten: Flexibilität. Das Vermögen in Ihrer Säule 3b bleibt verfügbar und kann je nach Lebensphase dort eingesetzt werden, wo es am meisten Wirkung entfaltet. Wer aus freiem Vermögen mehr machen will, kommt an einer durchdachten Anlagestrategie kaum vorbei. Entscheidend sind dabei Ihr Zeithorizont, Ihre persönliche Risikobereitschaft und ein Anlagekonzept, das zu Ihrer Lebenssituation passt; wer noch viele Jahre bis zur Pensionierung hat, kann anders investieren als jemand kurz vor dem Ruhestand. Aber auch im Alter gilt: Vermögen muss nicht in Pension gehen, nur weil Sie es tun. Richtig angelegt, kann es helfen, Ihre Kaufkraft zu erhalten und Ihre finanzielle Selbstbestimmung über viele Jahre hinweg zu sichern. Unser Beitrag «Geld anlegen im Alter» zeigt auf, wie das geht. - Bezüge clever und frühzeitig planen
Wer Kapital aus der Vorsorge beziehen will, sollte nicht erst kurz vor der Pensionierung damit anfangen, sich damit zu befassen. Der Zeitpunkt und die Staffelung Ihrer Bezüge wirken sich nämlich auch auf Ihre Steuerlast aus. Wer früh plant, schafft mehr Spielraum und kann meist von deutlichen Steuervorteilen profitieren.
Unser Blogbeitrag gibt Ihnen zusätzliche Tipps, wie Sie Steuervorteile nutzen können – bei Vorsorge, Eigenheim und Geldanlage.
Das leisten die verschiedenen Vorsorgehebel
| Lösung | Grösste Vorteile | Zu beachten | Besonders geeignet für |
| Säule 3a | Steuervorteile und systematischer Vorsorgeaufbau | Das Kapital ist nur eingeschränkt verfügbar | Alle Erwerbstätigen, die ihre private Altersvorsorge regelmässig stärken möchten |
| Pensionskasseneinkauf | Potenziell hohe Steuerersparnis und bessere
Vorsorgeleistungen | Lohnt sich nicht in jeder Konstellation und braucht Planung –
ein Einkauf ist nicht bei jeder Pensionskasse empfehlenswert | Gutverdienende mit Einkaufspotenzial und solider Pensionskassenlösung |
| Freies Vermögen | Maximale Flexibilität und individuelle Anlagemöglichkeiten
| Kein direkter Steuervorteil wie bei 3a oder PK-Einkäufen | Alle, die zusätzlich Vermögen für finanzielle Freiheit im Alter aufbauen möchten |
Wer gut verdient, sollte auch gut vorsorgen
Hoher Lohn bedeutet nicht automatisch hohe Absicherung. Finden Sie im kostenlosen Erstgespräch heraus, wo Sie wirklich stehen und welche Möglichkeiten sich bieten.
Ein hoher Lohn beruhigt. Eine gute Finanzplanung noch mehr.
Wer viel verdient, ist heute finanziell gut aufgestellt – aber nicht automatisch auch im Ruhestand. Gerade deshalb lohnt es sich, Ihre private Altersvorsorge nicht als Nebensache zu betrachten, sondern als das, was sie gerade für Gutverdienende sein kann: den entscheidenden Hebel, um Ihren Lebensstandard, Ihr Vermögen und Ihre finanzielle Unabhängigkeit langfristig zu sichern. Vielleicht möchten Sie länger selbstbestimmt leben, früher in Pension gehen oder der nächsten Generation mehr mitgeben als nur gute Ratschläge. Welche Ziele Sie auch verfolgen: Nehmen Sie sie ernst, planen Sie frühzeitig und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung, die Sie nicht nur begleitet und Ihnen hilft, Ihr Vermögen abzusichern, sondern Ihnen auch neue Möglichkeiten und Chancen aufzeigt.
Martin Fuchs
Head Wealth Planning
Martin Fuchs verfügt über einen Master of Arts in Business Administration und mehr als zwölf Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie, zuletzt als Niederlassungsleiter Zürich eines unabhängigen Finanzdienstleisters, sowie fünf Jahre Erfahrung in der Unternehmens- und Innovationsberatung. Zusätzlich ist er als Referent bei Fachseminaren und Webinaren zu Anlage- und Vorsorgethemen tätig.