Ist Ihnen bewusst, dass bei Ihrem Berufsaustritt oft mehrere Hunderttausend Franken in Ihrer Pensionskasse auf Sie warten? Sie entscheiden, ob Sie das Geld als lebenslange Rente oder einmaliges Kapital beziehen. Die richtigen Fragen helfen Ihnen dabei, die Antwort zu finden, die am besten zu Ihrem selbstbestimmten Leben passt.

Sie gilt als eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen unseres Lebens: die Wahl zwischen Rente oder Kapital bei der Auszahlung der Pensionskassengelder. Und einmal getroffen, lässt sie sich nicht mehr rückgängig machen. Vielleicht gleich zwei Gründe, warum viele diese Entscheidung eher scheuen und möglichst lange vor sich herschieben. 

Dabei ist sie in Wahrheit keine unangenehme Pflicht, sondern vielmehr Ausdruck unserer Freiheit, selbstbestimmt unser Leben nach der Pensionierung so zu planen, wie es wirklich zu uns und unseren Bedürfnissen passt. Welche Variante für Ihre Situation am sinnvollsten ist, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von Ihrer persönlichen Familien- und Vermögenssituation, den Leistungen Ihrer Pensionskasse, Ihrem Alter und Ihrem Gesundheitszustand. Folgende Fragen helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung. Wie viel Ihres Altersguthabens Sie als Kapital beziehen können, hängt von Ihrer Pensionskasse ab. Gesetzlich stehen Ihnen mindestens 25 Prozent zu, viele Pensionskassen erlauben jedoch den Bezug des halben oder des gesamten Guthabens.  

Wie ausgeprägt ist Ihr Sicherheitsbedürfnis? 

Können Sie sich vorstellen, für den Rest Ihres Lebens selbst für Ihr Einkommen verantwortlich zu sein, indem Sie Ihr Vermögen gewinnbringend anlegen? Oder ist Ihnen lieber, lebenslang ein gesichertes Basiseinkommen zu haben, das Ihre finanziellen Grundbedürfnisse deckt?  

Eine monatliche Rente verspricht mehr Sicherheit, ein Kapitalbezug bedeutet mehr Eigenverantwortung – und zugleich grössere Unabhängigkeit, finanzielle Flexibilität und mögliche attraktive Renditen. Dafür sollte man allerdings gut mit Börsenschwankungen leben können. 

Wie gut kennen Sie sich mit Finanzen aus?

Trauen Sie sich zu, Ihr Vermögen selbst zu verwalten und clever zu investieren? Sind Sie mit Themen wie Anlagen, Risikoprofil und Kapitalmarkt vertraut und gehen Sie gern mit Zahlen um? Fällt es Ihnen leicht, Ihre Ausgaben zu planen und Ihr Budget einzuhalten? Dann kann ein Kapitalbezug die richtige Wahl für Sie sein.

Eine Rente verspricht zwar mehr Sicherheit, wird angesichts sinkender Umwandlungssätze in finanzieller Hinsicht jedoch immer weniger attraktiv. Ein Kapitalbezug, verbunden mit einer durchdachten Anlagestrategie, verspricht im Vergleich ein höheres Einkommen. Wenn Sie sich um eine solche Strategie nicht selbst kümmern können oder wollen, haben Sie natürlich immer die Möglichkeit, sich von einem erfahrenen Finanzexperten beraten zu lassen. 

Planen Sie in absehbarer Zeit höhere Ausgaben? 

Wissen Sie schon heute, dass nach der Pensionierung grössere Ausgaben auf Sie warten – zum Beispiel, weil Sie die Hypothek Ihres Eigenheims (teilweise) amortisieren wollen, eine Reise um die Welt planen oder Ihren Erben noch zu Lebzeiten einen grösseren Betrag schenken wollen? Bei einem Kapitalbezug sind Sie in solchen und ähnlichen Situationen finanziell flexibler und können einfacher auf grössere Beträge zugreifen.  

Das bedingt allerdings umso mehr eine vorausschauende Planung Ihrer Finanzen, damit sich später keine Lücken auftun und Sie Ihren gewohnten Lebensstandard auch langfristig beibehalten können. So oder so bedeutet eine Entscheidung für Kapital statt für die Rente immer mehr finanzielle Unabhängigkeit – und damit auch höhere Eigenverantwortung. 

Ist Ihnen wichtig, Ihren Nachkommen etwas zu vererben? 

Möchten Sie, dass Ihre Erben nach Ihrem Tod möglichst viel bekommen? Oder wollen Sie Ihr Geld lieber selbst ausgeben? Eine Rente bietet Ihnen zwar nicht so viel Flexibilität, dafür aber ein sicheres regelmässiges Einkommen bis zum Ende Ihres Lebens. Der Nachteil: Wenn Sie sterben und Teile Ihres Pensionskassenguthabens noch nicht verbraucht haben, erhalten Ihre Erben davon nichts und es fällt in den meisten Fällen an Ihre Pensionskasse.  

Das ist beim Kapitalbezug anders: Alles, was davon bei Ihrem Tod übrig ist, geht vollumfänglich an Ihre Nachkommen, also zum Beispiel Ihre Kinder, Ihre Ehepartnerin oder Ihren Konkubinatspartner. Letzteres müssen Sie allerdings erbrechtlich explizit so festgelegt haben. 

Haben Sie sich mit Ihrem Lebenspartner oder Ihrer Lebenspartnerin abgestimmt? 

Hat Ihr Partner oder Ihre Partnerin deutlich bessere oder schlechtere Pensionskassenleistungen? Ist er oder sie wesentlich jünger oder älter als Sie? Ist Ihr Gesundheitszustand ähnlich – oder ganz verschieden? Möchten Sie beide beim Bezug Ihres Pensionskassenguthabens Steuern sparen?  

Es kann aus vielen Gründen sehr sinnvoll sein, Ihre Entscheidung für eine Variante des Bezugs Ihrer Pensionskassengelder mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin abzustimmen. 

Ist für Sie eine Kombination die beste Lösung?

Wenn Sie sich nicht zwischen Rente oder Kapital entscheiden möchten, kann eine Kombination von beiden die beste Lösung für Sie sein. Bei einer solchen Mischform beziehen Sie einen Teil Ihres Pensionskassenguthabens als Kapital, beispielsweise ein Viertel, und den Rest als Rente. Das gibt Ihnen eine grundsätzliche finanzielle Sicherheit und erlaubt gleichzeitig einen flexiblen finanziellen Spielraum. 

Übrigens: Wenn Sie im Detail wissen möchten, was alles mit der Entscheidung für Rente oder Kapital verbunden ist, empfehlen wir Ihnen unser Merkblatt, die dazugehörige Checkliste und natürlich unsere Webseite. So oder so kann eine professionelle Finanzberatung Sie dabei unterstützen, selbstbestimmt eine Entscheidung über Ihre finanzielle Zukunft zu treffen, die wirklich zu Ihnen und Ihrer Situation passt.  

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Martin Fuchs

Leiter Vermögensberatung

Martin Fuchs verfügt über einen Master of Arts in Business Administration und mehr als zwölf Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie, zuletzt als Niederlassungsleiter Zürich eines unabhängigen Finanzdienstleisters, sowie fünf Jahre Erfahrung in der Unternehmens- und Innovationsberatung. Zusätzlich ist er als Referent bei Fachseminaren und Webinaren zu Anlage- und Vorsorgethemen tätig.

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