Frauen leben im Schnitt länger und erhalten trotzdem deutlich tiefere Renten. In der Schweiz beträgt der Gender Pension Gap aktuell rund ein Drittel - das sind im Mittel etwa CHF 20’000 weniger pro Jahr. Welche Ursachen stecken dahinter und welche konkreten Schritte können Sie machen, um Ihre Vorsorge zu stärken?
Wir werden immer älter: Bereits heute ist die Chance, 100 Jahre alt zu werden, mehr als zehnmal grösser als noch vor 105 Jahren. Was heisst das für unsere Vorsorge? Wir müssen für ein längeres Leben planen - auch finanziell. In der Schweiz liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen bei 86, für Männer bei 82 Jahren. Frauen leben länger, haben aber statistisch gesehen im Alter weniger Geld zur Verfügung:
- In den Jahren 2019 bis 2021 erhielten Rentnerinnen in der Schweiz durchschnittlich etwa ein Drittel oder rund CHF 20 000 pro Jahr weniger Rente als Männer.
- Die Differenz entsteht primär durch unterschiedliche Erwerbsbiografien und die Wirkung der 2. Säule.
Gerade in der beruflichen und der privaten Vorsorge können und müssen sich Frauen deutlich besser aufstellen. Noch immer verlassen sich dabei zu viele auf ihre Partner und Partnerinnen. Nur etwa eine von fünf Frauen interessiert sich für das Thema Vermögensaufbau, und sogar noch weniger setzen sich mit den Finanzmärkten auseinander.
* Quelle: BfS, Daten BfS Sesam/Sake
Wie entsteht die Rentenlücke in der Schweiz?
Wie die Swiss Life-Studie zeigt, trägt die berufliche Vorsorge den grössten Anteil zum Gender Pension Gap in der Schweiz bei. Besonders ins Gewicht fällt die berufliche Vorsorge (2. Säule): Frauen arbeiten häufiger in Teilzeitmodellen oder unterbrechen ihre Erwerbsbiografie für Familienaufgaben. Dadurch zahlen sie über Jahre hinweg deutlich weniger in die Pensionskasse ein, was sich direkt auf die spätere Rente auswirkt.
Hinzu kommt die Lohnungleichheit: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Selbst kleine Unterschiede summieren sich über Jahrzehnte zu erheblichen Differenzen im Altersguthaben. Die Studie zeigt, dass allein dieser Effekt einen grossen Teil des Gender Pension Gaps erklärt.
Auch Karriereunterbrüche, etwa durch Mutterschaftsurlaube oder Pflege von Angehörigen, führen dazu, dass Beitragsjahre fehlen. Besonders relevant ist zudem der Koordinationsabzug in der 2. Säule: Wer Teilzeit arbeitet, profitiert weniger stark von der obligatorischen Vorsorge und baut so über die Jahre automatisch ein kleineres Altersguthaben auf. Frauen arbeiten zudem tendenziell öfters in Branchen, in welchen nur die obligatorische Vorsorge versichert ist.
Kurz gesagt: Der Gender Pension Gap entsteht nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch die Summe struktureller Faktoren - von der Erwerbsbiografie über das Einkommen bis hin zum Vorsorgesystem. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern.
So können Frauen ihre Vorsorge erhöhen
Der Gender Pension Gap lässt sich gezielt verkleinern, wenn Sie frühzeitig und strategisch Ihre Vorsorge planen.
- Ein zentraler Hebel ist die Maximierung der Beiträge in der 2. Säule: Wer freiwillige Einkäufe tätigt oder seine Beiträge durch ein höheres Pensum steigert, baut über die Jahre ein deutlich höheres Altersguthaben auf. Wenn die Möglichkeit besteht, zu einem Vorsorgeplan mit höheren Leistungen zu wechseln, bietet sich dies als einfachste Möglichkeit an.
- Zusätzlich lohnen sich Einzahlungen in die 3. Säule: Steuerlich geförderte Einzahlungen ergänzen die berufliche Vorsorge und gleichen Lücken aus, die durch Teilzeit oder Karriereunterbrüche entstehen.
- Auch bewusste Karriereplanung und Lohnverhandlung sind entscheidend: Höhere Einkommen und längere durchgehende Beitragsjahre reduzieren die spätere Vorsorgelücke erheblich.
- Nicht zuletzt sollten Frauen ihr Gesamtvermögen aktiv steuern. Durch eine kluge Kombination aus liquiden Mitteln, langfristigen Geldanlagen und steueroptimierten Vorsorgeinstrumenten können Sie Ihre Rentenlücke nachhaltig verkleinern und gleichzeitig Ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter sichern.
- In einer Partnerschaft ist es entscheidend, über Geld und Vorsorge zu sprechen. Wer Themen wie Finanzen und Vorsorge gemeinsam angeht, kann gezielt und rechtzeitig gegensteuern - etwa durch gemeinsame Vermögensplanung, aber auch durch den Abschluss einer Lebensversicherung, die Sie oder Ihren Partner oder Ihre Partnerin im Todesfall absichert.
Tipp: Lesen Sie noch mehr Vorsorgetipps für Frauen und machen Sie einen weiteren Schritt dazu, Ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.
Mit individueller Beratung zu mehr finanzieller Unabhängigkeit
Ihre Vermögenssituation ist genauso individuell wie Ihr Leben. Deshalb lohnt es sich, Vermögensaufbau und Vorsorge strategisch und ganzheitlich zu betrachten. Erfahrene Wealth Planner helfen dabei, Ihre Vorsorgelücken zu erkennen, Ihre Spar- und Anlagemöglichkeiten optimal zu nutzen und eine massgeschneiderte Strategie zu entwickeln, die genau zu Ihren Zielen passt. Regelmässige Überprüfungen - idealerweise alle fünf Jahre - stellen dann sicher, dass Ihr Plan flexibel bleibt und sich an Veränderungen im Leben oder in der Finanzlage anpasst. So bauen Sie Ihr Vermögen gezielt auf, sichern Ihren Lebensstandard im Alter und behalten jederzeit Selbstbestimmung und Planungssicherheit. Wer in einer Partnerschaft lebt, tut gut daran, Pensionsplanung und Vermögensplanung gemeinsam anzuschauen und zu prüfen.
So schliessen Sie Ihre Vorsorgelücke
Erhalten Sie individuelle Einblicke in Ihre Vorsorge- und Vermögenssituation. In einem kostenlosen Erstgespräch analysieren wir Ihre persönliche Situation und zeigen Ihnen auf, wie Sie dem Gender Pension Gap entgegenwirken und in eine finanziell selbstbestimmte Zukunft starten können.
Karin Holenstein
Senior Wealth Planner
Karin Holenstein ist Senior Wealth Planner bei Swiss Life Wealth Managers in St. Gallen und bietet ihren Kundinnen und Kunden fundierte und realistische Unterstützung für eine gesamtheitliche und individuelle Beratung. Sie verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Bankenbereich, wo sie in verschiedenen Führungsfunktionen und Bereichen (Anlegen, Vorsorgen und Finanzieren) tätig war. Während dieser Zeit absolvierte sie nach einem Diploma of Advanced Studies in Bankmanagement an der Hochschule Luzern ihre Ausbildung zur Finanzplanerin mit eidg. Fachausweis und als CFP® Certified Financial Planner.