Lesen Sie hier die aktuelle Perspektiven des Economic Research Teams von Swiss Life Asset Managers.
Diese Perspektiven vereint Einschätzungen verschiedener Expertinnen und Experten von SL Asset Management für die globale Konjunktur. (Redaktionsschluss 30.07.2026).
Kernaussagen
- USA: Weiterhin solides Wachstum und zu hohe Inflation
- Deutschland: Die Erholung ist zunehmend breiter abgestützt
- Frankreich: Exportschlager Strom
- Schweiz: Sportevent-Effekt wohl höher als bei früheren FIFA-Weltmeisterschaften
- Vereinigtes Königreich: Neuer Premierminister mit vielen Plänen, aber wenigen Details zur Fiskalpolitik
- China: Bessere Aussichten für das zweite Halbjahr, aber die Wirtschaft bleibt gespalten
Grafik des Monats
Die Öffnung der Strasse von Hormus war nur von kurzer Dauer, brachte aber im Juni temporär deutlich tiefere Ölpreise und sorgte in den Inflationszahlen für eine Abwärtsüberraschung. Mit der Re-Eskalation des Irankriegs im Juli haben wir unsere Energiepreisannahmen bis Ende Jahr wieder nach oben korrigiert. Die Unsicherheit bezüglich Konfliktausgang und Timing bleibt hoch. Da aber beide Seiten kein Interesse an einer anhaltenden Blockade haben sollten, bleiben die De-Eskalation und eine teilweise Normalisierung des Schiffsverkehrs unser Basisszenario. Unter dem Strich ergeben sich deshalb kaum Änderungen an unseren Inflationsprognosen für 2026 und 2027.
USA: Das Wachstum ist breiter abgestützt
Das Wachstum ist breiter abgestützt
Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal mit 1.5% gegenüber dem Vorquartal (annualisiert) zwar enttäuschend, aber die Details waren positiv. Erstens trotzte der Privatkonsum den höheren Energiepreisen und wuchs nach einem schwachen Jahresstart wieder erfreulich. Zweitens war der Investitionsboom breiter abgestützt. KI-getriebene Investitionen fielen schwach aus, während die übrigen Investitionen nach vier Quartalen Rückgang zulegten (siehe Grafik). Die grösste Wachstumsbremse waren höhere Importe, was allerdings ein gutes Vorzeichen für die inländische Nachfrage ist. Erste Zahlen für das dritte Quartal stimmen zuversichtlich, dass das solide Wirtschaftswachstum anhält. Die vorläufigen Juli-Einkaufsmanagerindizes (PMI) legten im Dienstleistungssektor deutlich zu, was gemäss dem Umfrageinstitut teilweise mit der Fussballweltmeisterschaft zusammenhängt. Im Industriebereich verharrte der PMI im Expansionsbereich. Die Effekte der erneut höheren Energiepreise nach der Re-Eskalation des Irankriegs sind allerdings noch nicht vollständig abgebildet. Derweil deuten die Arbeitsmarktzahlen weiterhin auf einen gut ausbalancierten US-Arbeitsmarkt hin. Arbeitslose Personen und offene Stellen halten sich in etwa die Waage. Zudem sieht das zuvor erstaunlich gute Beschäftigungswachstum, das nicht so ganz zu den Vorlaufindikatoren passte, nach Abwärtsrevisionen für Juni und einem enttäuschenden Wert für Juli wieder etwas realistischer aus.
Starker Rückgang der Inflation im Juni
Die Inflation ging im Juni überraschend stark zurück, von 4.2% auf 3.5% bei der Gesamtinflation und von 2.9% auf 2.6% bei der Kerninflation. Besonders überraschend war der Preisrückgang bei den Dienstleistungen (ohne Wohnen), den wir für einen Ausreisser halten. In Kombination mit dem erneuten Anstieg der Energiepreise lassen wir unsere Inflationsprognosen für 2026 und 2027 unverändert.
Wachstum erholt sich im zweiten Quartal
Die Eurozone wuchs im zweiten Quartal mit 0.4% gegenüber dem Vorquartal deutlich stärker als erwartet und zeigte sich trotz Energiepreisschock bemerkenswert robust. Die Dynamik war breit abgestützt: Deutschland, Italien und Spanien übertrafen die Erwartungen, und Irland kehrte auf den Wachstumspfad zurück. Im ersten Quartal führte eine deutliche Abwärtsrevision des irischen BIP-Wachstums für eine Korrektur der Eurozonen-BIP-Prognose. Da die irische Wirtschaftsleistung stark von wenigen US-Pharma- und Technologiekonzernen geprägt wird, die einen Grossteil ihrer Umsätze über irische Tochtergesellschaften verbuchen, unterliegt das irische BIP erheblichen Schwankungen und kann die Wachstumszahlen der Eurozone verzerren.
Dienstleistungsinflation bleibt unter Kontrolle
Angesichts des Risikos von Zweitrundeneffekten rückt die Dienstleistungsinflation wieder stärker in den Fokus. Der jüngste Anstieg ist vor allem auf die Weitergabe höherer Energiepreise bei Transportdienstleistungen, Pauschalreisen und Dienstleistungen im Gastgewerbe zurückzuführen. Für sich genommen, ist diese Entwicklung jedoch noch kein Grund zur Sorge, da die Preise in diesen Bereichen vergleichsweise flexibel sind und sich rasch wieder anpassen können. Entscheidend bleibt vielmehr die Frage, ob sich das Lohnwachstum in der Eurozone als Reaktion auf den Energiepreisschock beschleunigt. Derzeit sehen wir dafür keine Anzeichen. Die Preisindizes der Einkaufsmanagerumfragen für den Dienstleistungssektor deuten auf einen leichten Rückgang des Preisdrucks hin, wenn auch weniger ausgeprägt als in der Industrie. An unserem Basisszenario halten wir deshalb fest: Wir erwarten weiterhin keine spürbaren Zweitrundeneffekte auf die Inflation im Euroraum. Die Dienstleistungsinflation dürfte zwar erhöht bleiben, jedoch nicht in einem für die EZB besorgniserregenden Ausmass.
Ermutigende Konjunktursignale
Hochfrequente Daten deuten gegen Ende des zweiten Quartals auf eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Dynamik hin. Möglicherweise überzeichnet diese Entwicklung den allgemeinen Trend und dreht in den kommenden Wochen aufgrund der Lage im Nahen Osten wieder ins Gegenteil. Bisher nicht erkennbar ist die erwähnte positive Entwicklung in der Hotellerie und in den Arbeitsmarktdaten. Consensus Economics erhebt die Erwartungen zum Wachstum des nicht um Sportevents bereinigten Bruttoinlandsprodukts. Dieses heben wir für 2026 um 0.2 Prozentpunkte an. Neben der oben erwähnten Beobachtung einer erhöhten Konjunkturdynamik zur Jahresmitte dürften die Lizenzeinnahmen der FIFA als Veranstalter der Fussball-Weltmeisterschaft mit der Aufstockung der Anzahl Teilnehmerländer und grösseren Werbefenstern höher ausfallen als bei früheren Austragungen. Weiterhin bleibt die Planungsunsicherheit für die Unternehmen erheblich. Das Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich ist dabei eine willkommene Errungenschaft. Das Risiko erneuter Zollstreitigkeiten mit den USA besteht aber fort.
Stabile Inflationserwartungen
Der erneute Anstieg des Erdölpreises bedeutet ein kurzfristiges Prognoserisiko gegen oben. Der Rückgang des Index der Produzenten- und Importpreise im Juni hingegen bestätigt die Annahme einer begrenzten Gefahr von Zweitrundeneffekten auf Güter- und Dienstleistungspreise ausserhalb des Energieblocks. Die Inflationserwartungen sind gut verankert, was sich auch an der seit April unveränderten Konsensusprognose zur Inflationsrate für 2027 ablesen lässt. Anders als für die übrigen europäischen Volkswirtschaften liegt unsere Prognose zur Teuerung in der Schweiz für 2027 leicht über dem Konsensus. Verstärkten Teuerungsdruck erkennen wir bei den inländischen Preisen für Dienstleistungen und der Mietkomponente.
Wirtschaft bleibt gespalten
Die chinesische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 4.3% gegenüber dem Vorjahr und verzeichnete damit die schwächste Wachstumsrate seit der Pandemie. Die Abschwächung ist vor allem auf die anhaltende Krise im Immobiliensektor, Produktionsstörungen infolge geringerer Ölimporte während der Blockade der Strasse von Hormus sowie die Auswirkungen der Anti-Involution-Kampagne zurückzuführen, die Investitionen in ausgewählten Industriezweigen belastet. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für das chinesische BIP-Wachstum 2026 auf 4.6% gesenkt. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir dennoch eine leichte Verbesserung. Die schwachen Daten des zweiten Quartals dürften zusätzlichen fiskalpolitischen Unterstützungsmassnahmen den Weg bereiten. Zudem deuteten die Juni-Daten bereits auf eine gewisse Stabilisierung hin, insbesondere in der Industrieproduktion und, in geringerem Umfang, beim Konsum. Gleichzeitig dürfte die zunehmend zweigeteilte Entwicklung der chinesischen Wirtschaft anhalten. Während Hightech-Industrien, KI-nahe Sektoren und die Exporte weiter robust wachsen, bleiben Konsum, private Investitionen und grosse Teile des Immobilienmarktes unter Druck. Diese Divergenz zeigt sich auch regional: Führende Wirtschaftszentren (Tier-1-Städte) ziehen Kapital und Fachkräfte an und verzeichnen erste Anzeichen einer Erholung der Immobilienpreise, während Tier-2- und Tier-3-Städte mit sinkenden Immobilienpreisen und schwacher Nachfrage kämpfen.
Chinas Inflation dürfte moderat bleiben
Wir haben unsere Inflationsprognose nach den schwächer als erwarteten Inflationsdaten für Juni leicht nach unten angepasst. Zwar stellt eine erneute Eskalation des Iran-Konflikts ein Aufwärtsrisiko dar, insgesamt dürfte aber die weiterhin schwache Konsumentenstimmung den Inflationsdruck begrenzen und die Inflation auf moderatem Niveau halten.
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Hinweis: Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot, eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Dieser Beitrag enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Die vergangene Performance ist kein Indikator für laufende und zukünftige Entwicklungen und Ergebnisse. Investitionen in Finanzprodukte sind mit unterschiedlichen Risiken verbunden, wozu auch der potenzielle Verlust des eingesetzten Kapitals gehört.