Wie gehen Sie eigentlich mit Geld um? Wer seinen Geldtyp kennt, versteht die eigene Beziehung zu Geld besser und kann fundiertere Entscheidungen treffen. Ob sparsam, statusorientiert, vermeidend oder sicherheitsgetrieben: Die persönliche Haltung prägt unsere Verhaltensweise, also wie wir Vermögen aufbauen, Geld ausgeben und vorsorgen. Deshalb ist der Zusammenhang zwischen Geldtyp und Finanzplanung so wichtig. Wer die eigenen Muster erkennt, schafft die Basis für eine Finanzplanung, die wirklich zum eigenen Leben passt.
Prof. Dr. Anne Herrmann, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Institutsleiterin an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, gibt spannende Einblicke in verschiedene Geldtypen und erklärt, wie unsere Einstellung zum Geld unser Leben prägt. Erfahren Sie im Interview, wie Sie Ihr Vermögen gezielt für ein selbstbestimmtes Leben einsetzen können.
Frau Herrmann, warum sind viele Menschen trotz ihres Wohlstands unzufrieden?
Geld allein macht eben nicht glücklich. Geld kann aber durchaus dazu dienen, Dinge zu kaufen oder Aktivitäten zu ermöglichen, die einen glücklich machen.
Geld ist also nur Mittel zum Zweck?
Ja, und das geht oft vergessen. Viele Menschen denken, sie brauchen ein bestimmtes Vermögen, um ein glückliches Leben führen zu können. Stattdessen müssten sie sich aber fragen, welche Aktivitäten sie brauchen und wie sie ihr Vermögen einsetzen können, um glücklicher zu sein.
Woher kommt es, dass Menschen ihr Vermögen nicht dazu verwenden, glücklich zu sein?
In der Forschung reden wir da vom «wachsamen» Geldtyp. Diese Menschen verfügen zwar über ein ausreichendes Vermögen, aber nutzen es nicht, um sich damit positive Erlebnisse zu ermöglichen. Sie verfolgen ihre Finanzen sehr aufmerksam und prüfen regelmässig den Kontostand. Sie kaufen nur, was sie sich leisten können, und schaffen sich dadurch eine gute finanzielle Position. Der Nachteil ist, dass dieser Geldtyp oft unnötig besorgt ist und zu enthaltsam lebt.
Wie wird man ein solch «wachsamer» Geldtyp?
Studien haben gezeigt, dass unsere Einstellung zum Geld und zum Geldausgeben in der Kindheit geprägt wird. Ebenso wie unsere finanziellen Kompetenzen, also auch, wie man mit Geld umgeht. Wir lernen das durch Beobachtung, denn wir sehen, wie die Eltern mit Geld umgehen, hören, was sie über Geld sagen und vielleicht auch was sie über andere Menschen sagen, die entweder besonders viel oder besonders wenig Geld haben. Aus der Perspektive unserer Eltern lernen wir, wie wichtig Geld ist und wie man damit umgeht und ob man grundsätzlich positive oder negative Assoziationen damit verbindet.
Warum ist es wichtig, diese erlernten Einstellungen zu hinterfragen?
Es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, dass man seine Einstellung und seine Werte kontinuierlich weiterentwickelt und reflektiert. Dazu gehört auch, dass man die Einstellung zum Geld und den Umgang damit hinterfragt. Zumal das, was man im Umgang mit Geld von den Eltern gelernt hat, auch gar nicht mehr stimmen muss, weil sich grundsätzliche Gesetzmässigkeiten und Rahmenbedingungen gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Natur geändert haben, zum Beispiel im Rentensystem, am Immobilienmarkt oder an den Finanzmärkten. Für Menschen älterer Generationen galten Staatsanleihen und das Eigenheim vielleicht noch als die besten Möglichkeiten der Geldanlage, heute sieht das ganz anders aus. Auch deshalb sollte man sich von den zu Hause erlernten Glaubenssätzen lösen, unabhängig davon, welcher Geldtyp man ist.
So machen Sie mehr aus Ihrem Vermögen
Unsere erfahrenen Finanzberaterinnen und Finanzberater unterstützen Sie dabei, finanzielle Klarheit zu gewinnen und Ihre Vorsorgeziele selbstbestimmt zu gestalten. Sichern Sie sich jetzt ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch – für mehr Sicherheit, weniger Zweifel und einen klaren Plan für Ihre finanzielle Zukunft.
Möchten Sie wissen, welche Auswirkungen die aktuelle Marktlage auf Ihre persönliche Situation haben könnte?
Sprechen Sie mit unseren Anlageexpertinnen und -experten und vereinbaren Sie ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch.
Alle Swiss Life Generalagenturen
Finden Sie eine Swiss Life Agentur in Ihrer Nähe.
Welche anderen Geldtypen gibt es?
Neben dem bereits erwähnten «wachsamen» Typ ist auch der Typ des «Statussuchenden» weit verbreitet. Diese Personen verbinden ihr Selbstwertgefühl mit ihrem Vermögen. Sie glauben, je mehr Geld sie besitzen, desto mehr sind sie wert. Dieser Geldtyp möchte seinen Wohlstand auch durch den Besitz teurer Konsumgüter zeigen. Das Risiko ist, dass sich solche Menschen mehr leisten, als sie können, und andere Lebensaspekte vernachlässigen. Dann gibt es die «Geldanbetenden », für die Geld das Mittel für Sicherheit, Macht und Freiheit ist. Sie sehen Geldverdienen als sehr wichtig an und ordnen dem vieles unter, zum Beispiel auch soziale Beziehungen. Sie kaufen Dinge, um glücklich zu sein – und haben daher ein höheres Schuldenrisiko. Und dann gibt es noch die «Geldvermeidenden». Diese Menschen glauben oft, dass sie Geld nicht verdienen. Sie vermeiden es, sich mit Geld zu beschäftigen, und sabotieren so oft den eigenen Erfolg.
Was kann helfen, bessere finanzielle Entscheide zu treffen?
Ein Weg ist es, die Selbstwahrnehmung zu trainieren, etwa indem man sich beobachtet und fragt, warum das Geld ausgegeben wurde, welche Motivation dahinterstand und auch welche Gefühle das hervorgebracht hat. Denn wenn man sich seiner Einstellung und Überzeugung in Bezug auf den Umgang mit Geld bewusst ist, kann man viel bewusster prüfen, was für einen förderlich ist und was hinderlich. Von daher macht eine bessere Selbstwahrnehmung einen Menschen freier, er hat mehr Handlungsoptionen und ist nicht mehr so emotional getrieben. So fällt es ihm leichter, seine finanzielle Situation aktiv zu gestalten und auch die Vorsorgeplanung anzugehen, die viele Menschen lieber ausblenden.
Geldtypen auf einen Blick – Erkennen Sie sich wieder?
- Die oder der Wachsame: Beobachtet seine Finanzen genau, spart diszipliniert – lebt aber oft zu zurückhaltend. Chancen: Mehr Lebensfreude durch bewussten Einsatz des Vermögens.
- Die oder der Statussuchende: Verbindet Selbstwert mit materiellem Besitz – riskiert Überkonsum. Chancen: Fokus auf innere Werte statt äusseren Schein.
- Die oder der Geldanbetende: Sieht Geld als Schlüssel zu Freiheit und Erfolg – vernachlässigt Beziehungen. Chancen: Balance zwischen Karriere und Leben.
- Die oder der Geldvermeidende: Beschäftigt sich ungern mit Finanzen – bremst sich selbst aus. Chancen: Mit kleinen Schritten zu mehr Kontrolle und Selbstwirksamkeit.
Tipp: Sie wollen Ihre Einstellung zum Geld verändern? Führen Sie ein «Geldausgeben-Tagebuch» – es hilft, Muster zu erkennen und zu verändern.
Bei den Themen Finanzen und Vorsorge ist es anspruchsvoll, eigene Entscheide zu treffen. Was spricht dafür, eine Vermögensberaterin oder einen
Vermögensberater zu konsultieren?
Wenn in der Vermögensberatung die richtigen Fragen gestellt werden, kann das einem die nötige Sicherheit geben. Aber es reicht nicht, wenn nur die abstrakte Risikobereitschaft einer Person abgefragt wird. Denn die Vermögensberaterin oder der Vermögensberater sollte nicht nur die Ziele, sondern auch die dahinter liegenden Einstellungen und Motive der Kundinnen und Kunden verstehen. Dafür sollte nebst der grundsätzlichen finanziellen Lebenssituation auch erkannt werden, welche Einstellungen und Werte eine Person prägen, also welchem Geldtyp sie entsprechen.
Warum ist das so wichtig?
Jeder Typ steht vor speziellen Herausforderungen, die es auf die eine oder andere Art erschweren, dass Menschen sich mit den Themen Geldanlage und Vorsorge auseinandersetzen. Weil das etwas ist, was in der Zukunft stattfindet und was heute sehr abstrakt ist. Es fällt Menschen zudem auch generell schwer, sich mit dem künftigen Ich, dem «Future Self», zu identifizieren. Denn wir haben den «Present Bias», das heisst, das, was heute und jetzt passiert, ist uns Menschen wichtiger als das, was in der Zukunft geschehen wird.
Gibt es da einen Trick, wie man sich selbst überlisten kann?
Es hilft schon, wenn man das zukünftige Ich wichtiger macht. In der Forschung hat man mit Alterssimulationen gearbeitet und den Probanden einer Studie Fotos von sich gezeigt, wie sie in 20 oder 30 Jahren aussehen würden. Allein diese Visualisierung hat das künftige Selbst für die Menschen relevanter gemacht.
So wird die Notwendigkeit verdeutlicht, seine finanzielle Situation zu analysieren und den Ruhestand zu planen.
Drei Schritte, wie Sie den eigenen Geldtyp in der Finanzplanung berücksichtigen können
Wer die eigene Haltung zu Geld besser versteht, schafft die Grundlage für bewusstere Finanzentscheidungen. Etwas Selbstbeobachtung lohnt sich, um das eigene Verhalten besser zu erkennen und basierend darauf selbstbestimmter entscheiden zu können.
1. Das eigene Verhalten beobachten
Nehmen Sie sich während zweierWochen Zeit, Ihr Verhalten rund um Geld für einmal ganz bewusst wahrzunehmen.
- Wann geben Sie Geld besonders einfach oder schnell aus?
- Wann fällt es Ihnen schwer?
- Welche Gedanken oder Gefühle tauchen dabei auf?
Oft zeigt sich nicht in grossen Geldentscheidungen, welche Überzeugungen den Umgang mit Geld prägen, sondern im Alltag.
2. Wiederkehrende Muster ekennen
Halten Sie fest, was Ihnen auffällt:
- Greifen Sie bei Unsicherheit eher zu Kontrolle und Verzicht?
- Belohnen Sie sich mit Konsum?
- Schieben Sie Finanzthemen vor sich her?
Solche wiederkehrenden Muster geben Hinweise darauf, welcher Geldtyp Sie sind und wo mögliche Stolpersteine in Ihrer Finanzplanung oder in Ihrer Vorsorge liegen.
Keine Angst: Sie müssen keinen Roman schreiben. Es reicht, einfach nur in Ihrer Notizen-App oder einem Notizbuch zu vermerken, wenn Ihnen gewisse Muster auffallen. Möchten Sie es ganz genau nehmen, notieren Sie sich bei Ihren Geldentscheidungen jeweils direkt, weshalb und mit welchem Gefühl Sie diese gefällt haben.
3. Finanzentscheide an persönlichen Zielen ausrichten
Der wichtigste Schritt besteht darin, sich nicht allein von Gewohnheiten oder spontanen emotionalen Impulsen leiten zu lassen. Fragen Sie sich stattdessen, was Ihnen langfristig wirklich wichtig ist:
- mehr Sicherheit,
- mehr Freiheit,
- mehr Lebensqualität oder
- mehr Unabhängigkeit?
Wer seine Finanzentscheide an den eigenen Zielen statt an unbewussten Automatismen ausrichtet, plant klarer und selbstbestimmter. Unser Merkblatt «Zielbasiertes Investieren» zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Ziele als Basis für Ihre Geldanlage nutzen.
Inwieweit hilft dabei der Blick von aussen?
Der Austausch mit einer fachkundigen dritten Person ist sehr sinnvoll, gerade bei so wichtigen und komplexen Themen. Eine Vermögensberatung ist dabei immer komplementär. Das heisst, man profitiert von einer Vermögensberatung viel mehr, wenn man selbst gut informiert ist und die richtigen Fragen stellen kann. So kann ein gleichberechtigter Austausch in einem Dialog stattfinden. Je mehr dieser auf Augenhöhe erfolgt, desto mehr kann man davon profitieren.
Prof. Dr. Anne Herrmann
Prof. Dr. Anne Herrmann ist Professorin für Wirtschaftspsychologie und Institutsleiterin an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW. Sie lehrt in der Aus- und Weiterbildung zu Werbe- und Konsumpsychologie, qualitativen Forschungsmethoden und Behavioral Economics. In ihrer Forschung untersucht sie für und mit Schweizer Unternehmen vielseitige Fragestellungen zu Konsumentscheidungen und Konsumverhalten.