Was können wir aus dem vergangenen Jahr lernen und wie können Sie sich als Privatanlegerin oder Privatanleger jetzt für ein erfolgreiches Jahr 2026 aufstellen? Wir werfen einen Blick zurück auf ein ereignisreiches, aber gutes Anlagejahr 2025 und geben einen Ausblick mit fünf Thesen, aufgestellt von den Ökonomen von Swiss Life.
Das Wichtigste im Überblick
Das Jahr 2025 wurde dominiert durch die Politik der neuen US-Regierung. Trotz aller dadurch ausgelösten Verunsicherung entwickelte sich die Weltwirtschaft robust und die Finanzmärkte positiv.
Die Ökonomen von Swiss Life gehen für das Jahr 2026 davon aus, dass
- sich die wirtschaftliche Dynamik beschleunigt, insbesondere in Kerneuropa,
- sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik global expansiv sein werden,
- Chinas heimische Nachfrage noch immer unter der Schwäche des Immobiliensektors leidet, die Exportwirtschaft jedoch weiterhin wächst und die Güterpreise global drückt,
- hohe Investitionen in AI-Infrastruktur das Wirtschaftswachstum insbesondere in den USA heben, aber vermehrt von Sorgen um deren Rentabilität begleitet werden.
Für die globalen Aktienmärkte, für Schweizer Immobilien und für Gold sind dies wiederum gute Aussichten, von denen auch Sie als private Anlegerin oder privater Anleger profitieren können.
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Was zeichnete das Jahr 2025 aus?
Das Jahr 2025 wurde dominiert durch die Politik der neuen US-Regierung. Zwar ergriff US-Präsident Donald Trump im Wesentlichen bereits in seinem Wahlprogramm angekündigte Initiativen, doch die Art seines Vorgehens und die Reihenfolge der Initiativen überraschten:
- Gleich zu Beginn seiner Amtszeit trat Präsident Trump einen Zollkrieg mit der ganzen Welt los. Überrascht hat nicht nur die Zahl der betroffenen Länder, sondern auch die exorbitante Höhe der angekündigten Zölle. Infolgedessen wurden die Wirtschaftsaussichten weltweit belastet – auch in den USA.
- Ein grosser Teil des nachfolgenden Jahres wurde von Zollverhandlungen beansprucht, in denen alle Länder bilateral mit den USA um die Höhe der zusätzlichen Strafzölle feilschten.
- Einzig China wagte es, den USA die Stirn zu bieten. Dies, da die chinesische Dominanz in für die Vereinigten Staaten kritischen Rohstoffen es erlaubte, Zollandrohungen mit Exportkontrollen in diesen Rohstoffen zu kontern.
- Die Schweiz war als kleines, exportorientiertes Land mit einem hohen Güterhandelsbilanzüberschuss gegenüber den USA in einer der schlechtesten Verhandlungspositionen und wurde zwischenzeitlich mit Strafzöllen von 39% belegt. Da mit pharmazeutischen Produkten und Gold rund 70% der Schweizer Warenexporte in die USA von den Strafzöllen ausgenommen waren, hielt sich der gesamtwirtschaftliche Schaden in Grenzen. Erst mit der Zolleinigung vom 14. November, welche die Schweizer Industrie mit ihren wichtigsten Wettbewerbern gleichstellte (15% Strafzoll), hellten sich die Aussichten für die Schweizer Industrie wieder auf.
Abbildung 1: Die Entwicklung der globalen Aktienmärkte war geprägt vom US-Zollkrieg mit Kurskorrekturen nach Ankündigungen überraschend hoher Strafzölle und Erholungsrallys infolge von deren Aufschub sowie der Verkündung von Zollvereinbarungen [1) Amtsantritt Donald Trumps, 2) Verabschiedung des deutschen Fiskalpakets, 3) Ankündigung «reziproker» Zölle, 4) Aufschub «reziproker» Zölle, 5) Zolleinigung USA–EU, 6) Verhängung eines Strafzolls von 39% gegen die Schweiz, 7) Zolleinigung USA–Schweiz]. Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers
Fokus USA: Steuersenkungen, Shutdown und Druck auf die Zentralbank
Am 4. Juli 2025 unterzeichnete US-Präsident Trump den «One Big Beautiful Bill Act (OBBBA)», mit dem er seine fiskalpolitischen Versprechen gegen starken politischen Widerstand umsetzte. Das Gesetz umfasst unter anderem:
- Steuersenkungen für Firmen und Privathaushalte,
- Ausgabenerhöhungen für das Militär sowie Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden,
- eine Anhebung der US-Schuldengrenze um 5 Billionen US-Dollar,
- das Ende steuerlicher Anreize für Klimaschutzmassnahmen sowie
- Einschränkungen beim Zugang zu staatlich finanzierter Gesundheitsversicherung (Medicaid) und Nahrungsmittelunterstützung (SNAP) für Bedürftige.
Das Congressional Budget Office (CBO) schätzt, dass der OBBBA die US-Staatsschulden bis 2034 um zusätzliche 2,8 Billionen US-Dollar erhöhen wird.
Von den Steuererleichterungen profitieren vor allem amerikanische Unternehmen und die höchsten Einkommensschichten. Die unteren Einkommensschichten hingegen werden durch die Beschneidung der staatlichen Unterstützungsprogramme belastet.
Der politische Streit um die Umsetzung des OBBBA im Budget 2026 führte zum historisch längsten Shutdown der US-Bundesregierung vom 1. Oktober bis zum 12. November 2025.
Parallel dazu übte die US-Regierung 2025 enormen Druck auf die amerikanische Zentralbank (Fed) aus, um Zinssenkungen zu erzwingen. Neben verbalen Attacken auf den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell versuchte Präsident Trump mit der Absetzung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook, Einfluss auf das Führungsgremium zu nehmen. Da die gesetzlichen Hürden hierfür sehr hoch sind, liegt es nun am U.S. Supreme Court, zu entscheiden, ob Cooks Absetzung rechtens ist.
Die Sorge um die Unabhängigkeit der amerikanischen Zentralbank, zusammen mit den durch den Zollkrieg gedämpften Wirtschaftsaussichten und der inflationstreibenden Politik, belastet den US-Dollar, der 2025 um 12,65% gegenüber dem Schweizer Franken abwertete. Diese Entwicklung ist von der US-Regierung jedoch durchaus gewollt, da ein schwächerer Dollar die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie erhöht.
Abb. 2: Der US-Dollar hat im Jahr 2025 am stärksten unter der Politik der US-Regierung gelitten und gegenüber dem Schweizer Franken um 12,65% nachgegeben. Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers
Fokus Europa: Verteidigungsausgaben steigen in
Deutschland und der EU
Auch die europäische Politik blieb nicht untätig:
- Die neue deutsche Bundesregierung schnürte ein riesiges Fiskalpaket zur Finanzierung von Infrastruktur und Verteidigung. Über zwölf Jahre möchte die deutsche Bundesregierung hierfür 500 Milliarden Euro an Schulden aufnehmen, wofür sogar die deutsche Schuldenbremse aufgeweicht wurde: Verteidigungsausgaben über 1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fallen künftig nicht mehr unter die Schuldenbremse, wobei Deutschland ab 2029 Investitionen von 3,5% des BIP plant. Es handelt sich um das grösste Fiskalpaket einer deutschen Regierung seit der Wiedervereinigung.
- Die EU-Kommission setzt neue Prioritäten: Während der «Green Deal» die erste Amtszeit von Ursula von der Leyen prägte, soll die zweite Kommission auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Innovationskraft der europäischen Wirtschaft sowie der Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der EU fokussieren. Die EU-Defizitregeln für Mitgliedsstaaten wurden gelockert, um zusätzliche Verteidigungsausgaben zu ermöglichen.
Weltwirtschaft: Zinsen, unerwartet hohe
Unternehmensgewinne und Gold im Höhenflug
Die Geldpolitik der USA und Europas verlief im Jahr 2025 ungewöhnlich asynchron:
- Die sinkende Inflation erlaubte den europäischen Zentralbanken Leitzinssenkungen im ersten Halbjahr; seit Juni liegen die Leitzinsen in der Schweiz bei 0%, in der EU bei 2%.
- Die amerikanische Zentralbank hielt ihren Leitzins in der ersten Jahreshälfte 2025 aufgrund der inflationstreibenden Politik der neuen US-Regierung konstant bei 4,5% (obere Schwelle des Zielbandes) und nahm die Zinssenkungen erst mit Verspätung im September wieder auf.
Trotz der durch den Zollkrieg verursachten Verunsicherung entwickelte sich die Weltwirtschaft 2025 robust:
- Die Unternehmensgewinne stiegen in den USA zweistellig, getrieben vor allem durch den Technologiesektor, und auch in Europa stärker als erwartet.
- Entsprechend legten die globalen Aktienmärkte im Jahr 2025 in Lokalwährungen deutlich zweistellig zu (siehe Abb. 1). Bei globalen Aktienanlagen spielte die Währungsabsicherung aufgrund der Abwertung des US-Dollar eine wichtige Rolle.
- Gold profitierte sowohl von seiner Rolle als sicherer Hafen als auch von anhaltenden Käufen durch Zentralbanken. Die Goldrally der letzten beiden Jahre ist die stärkste seit Ende der 70er-Jahre.
- Schweizer Immobilien profitierten als Bondersatz von den niedrigen Zinsen und stiegen das zweite Jahr in Folge zweistellig, während Obligationen – mit Ausnahme von Unternehmensanleihen – aufgrund der niedrigen Schweizer Zinsen nicht mit anderen Anlageklassen mithalten konnten.
Für Anlegerinnen und Anleger, die diversifizierte Portfolios mit Aktien, Schweizer Immobilien und Gold halten, war 2025 ein gutes Anlagejahr, insbesondere wenn sie Fremdwährungsrisiken abgesichert hatten (siehe Abb. 3).
Abb. 3: Net Total Return in Schweizer Franken verschiedener Anlagen im Jahr 2025. Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers
Fünf Thesen zum Jahr 2026
Das Macroeconomic-Research-Team von Swiss Life um Chefökonom Marc Brütsch erstellt zu Beginn jedes Jahres fünf Thesen für das kommende Jahr. Diese bilden zusammen mit den Mittelfristszenarien eine hervorragende Grundlage für die Formulierung des makroökonomischen und des Finanzmarktausblicks des beginnenden Jahres – und geben Ihnen als Privatanlegerin oder Privatanleger wertvolles Hintergrundwissen für Ihre Finanzentscheidungen 2026.
These 1: «Inflation prägt die politische Debatte vor den US-Zwischenwahlen»
Der zollbedingte Preisschub von Kerngütern ist bislang schwächer ausgefallen als befürchtet. Dies, da viele Importe in Erwartung von Zöllen vorgezogen wurden oder Unternehmen die Kosten absorbierten.
Dennoch liegt die US-Inflation mit 2,7% per Ende November 2025 weiterhin über dem Zielwert der amerikanischen Zentralbank.
Für das erste Halbjahr 2026 erwarten wir in den USA steigende Preise bei Kerngütern. Sinkende Mieten und fallende Energiepreise werden den Inflationsschub zwar dämpfen, die «Cost of living crisis» in den USA wird die politische Debatte vor den Zwischenwahlen dennoch dominieren und den Druck auf die US-Regierung erhöhen.
These 2: «Kerneuropa wächst wieder (stärker)»
Deutschland dürfte die langjährige Wachstumsflaute dank steigender Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung überwinden. Der Impuls wird auch in den Nachbarländern zu spüren sein, während Südeuropa ein letztes Jahr von Geldern aus dem NextGenerationEU-Plan der EU-Kommission profitiert.
Die Haushaltskonsolidierung in Frankreich und Italien bleibt politisch bedingt begrenzt, sodass die EU durch die Ausweitung des deutschen Defizits einen Fiskalimpuls erhält. Dieser erhöht das Wirtschaftswachstum der EU und verteilt dieses gleichmässiger als im Jahr 2025.
These 3: «China zwischen schwacher Binnennachfrage und starkem (High-Tech-)Export»
Der chinesische Immobiliensektor bleibt schwach, fokussiert auf die Fertigstellung bereits verkaufter Einheiten und lastet auf der heimischen Konsumnachfrage.
Gleichzeitig wächst der Exportsektor trotz Handelskonflikten solide, getragen vom staatlich geförderten, schnell wachsenden High-Tech-Sektor. China strebt weiter danach, seine Abhängigkeit von westlicher Technologie zu reduzieren, konkurriert westliche Industrienationen vermehrt in der High-Tech-Produktion und reduziert mit seinen Exporten global die Preise von Gütern.
These 4: «Ausbau der Schuldenwirtschaft und der Schuldenkonvergenz»
Die USA und China bauen ihre bereits hohen Budgetdefizite weiter aus, während Deutschland und Japan ihre erhöhen.
Frankreich ist durch innenpolitischen Druck nicht in der Lage, sein hohes Budgetdefizit zu reduzieren, während Italien, Spanien und Grossbritannien dies in geringem Ausmass gelingt.
Staaten stützen ihre Wirtschaft weiterhin durch hohe Budgetdefizite, wobei besonders in Europa Staaten mit niedrigem Schuldenniveau ihre Defizite stärker erhöhen.
Einzig die Schweiz verbindet eine niedrige Staatsverschuldung mit niedrigen Defiziten und bleibt der ultimative sichere Hafen.
These 5: «AI: Investitionsboom treibt Wachstum, begleitet von Rentabilitätssorgen»
Massive Investitionen in den Ausbau der AI-Infrastruktur stützen das Wirtschaftswachstum, insbesondere in den USA.
Diese Investitionen werden jedoch vermehrt durch Schulden und wenig transparente Finanzierungsvehikel getragen, was die Risiken erhöht, falls die erwartete Rentabilität tiefer ausfällt als erwartet.
Die Frage nach der langfristigen Profitabilität von AI-Investitionen dürfte Anlegerinnen und Anleger das ganze Jahr 2026 hinweg begleiten und noch längere Zeit unbeantwortet bleiben.
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Thesen für die Finanzmärkte im Jahr 2026?
Wir erwarten auch 2026 ein gutes Jahr für Schweizer Anlegerinnen und Anleger, insbesondere für Anlegende, die Aktien halten.
- Die US-Notenbank wird den Leitzins weiter senken. Im Rahmen ihres dualen Mandats, das sowohl die Inflation als auch die Beschäftigung berücksichtigen muss, wird sie der Stärkung des Arbeitsmarktes den Vorrang einräumen, da der zollbedingte Preisschub der Kerngüter nur temporär sein dürfte.
- Während die europäischen Zentralbanken bereits eine stimulierende Geldpolitik verfolgen, dürfte sich 2026 auch das Fed in diesen Kurs einreihen. Damit werden alle grossen Zentralbanken eine stimulierende Geldpolitik betreiben.
- Die Fiskalpolitik ist bereits überall expansiv, wobei Deutschland im Jahr 2026 den stärksten zusätzlichen Fiskalimpuls erfahren wird. Die Regierungen nehmen hohe Budgetdefizite in Kauf, um die heimische Wirtschaftsdynamik anzutreiben, obwohl die Arbeitslosigkeit tief ist.
- Diese expansive Geld- und Fiskalpolitik trifft auf Unternehmen, deren Gewinne bereits solide wachsen, vor allem in den USA – ein positives Umfeld für die globalen Aktienmärkte. Die abnehmende Handelsunsicherheit sollte dabei dazu führen, dass das Gewinnwachstum nicht mehr so stark durch die grossen Technologiefirmen dominiert wird. Das Gewinnwachstum sollte sowohl regional wie auch sektoriell breiter abgestützt sein.
- Die Aktienbewertungen sind überall hoch, nach der guten Performance des Jahres 2025 auch in der Schweiz, in der Eurozone und in den Schwellenländern. Jedoch können die Bewertungen dieses Niveau bei einer expansiven Geldpolitik und steigenden Gewinnen halten. Die Kurse können entsprechend steigen.
- Zinserhöhungen der amerikanischen oder europäischen Zentralbanken erwarten wir erst im Jahr 2027, sodass die Zinsen im kommenden Jahr auf niedrigem Niveau verharren, in den USA für kurze Laufzeiten sogar fallen sollten. Langfristig halten wir das aktuelle Zinsniveau angesichts des ungebremsten Wachstums der Staatsverschuldung sowie von strukturellen Treibern der Inflation jedoch für zu niedrig.
- Die Kreditspannen von Unternehmensanleihen könnten sich trotz steigender Aktienkurse leicht ausweiten, da Firmen das positive Umfeld nutzen werden, um Anleihen zu emittieren und die Verschuldungsquote zu erhöhen. Wir gehen auch im Jahr 2026 von mageren Obligationenrenditen aus. Anleihen guter Qualität dienen allerdings der Diversifikation von Aktienrisiken, insbesondere in Portfolios mit defensivem Risikoprofil.
- Der Schweizer Franken sollte angesichts der niedrigen Schweizer Inflation stark bleiben.
- Das hohe Budgetdefizit der USA, die stärker fallenden Realzinsen in den USA sowie der andauernde Versuch von politischer Einflussnahme auf das Fed werden weiter auf dem US-Dollar lasten, wenn auch nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. Währungsabsicherungen sollten sich im Jahr 2026 erneut auszahlen, zumal die Absicherungskosten sinken werden.
- Schweizer Immobilien profitieren weiterhin vom niedrigen Zinsniveau und von der hohen Nachfrage in der Schweiz, auch wenn wir von tieferen Renditen als in den vergangenen beiden Jahren ausgehen.
- Eine expansive Geldpolitik, fallende USD-Realzinsen, hohe Budgetdefizite, anhaltende Goldkäufe von Zentralbanken sowie die Sorge vor einer Marktkorrektur angesichts hoher Aktienbewertungen und einer unberechenbaren US-Politik stützen die Goldrally. Zudem bleibt Gold in unseren beiden Alternativszenarien – wirtschaftlichem Einbruch oder Inflationsschub – ein wichtiger Portfoliodiversifikator.
Was könnte anders kommen als gedacht?
Wir betrachten vor allem drei abweichende Risikoszenarien.
- Szenario 1
Der Handelskrieg könnte erneut eskalieren, wodurch die Handelsunsicherheiten zurückkehren und die Wirtschaftsaussichten sich erneut eintrüben.
Auslöser könnte ein abschlägiger Entscheid des US Supreme Courts zur Rechtmässigkeit der basierend auf dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erhobenen US-Zölle sein, falls der US-Präsident auf das Urteil unangemessen reagiert.
Während ein solcher Gerichtsentscheid wahrscheinlich ist, sollte auch die Reaktion darauf absehbar sein: Die US-Regierung kann basierend auf Sektion 122 des US Trade Act Zölle von 15% für bis zu 150 Tage gegen beliebige Länder als Zwischenlösung erheben. Nach entsprechender Begründung kann sie danach Zölle gegen einzelne Länder oder gegen bestimmte Produktgruppen einführen. Das Resultat wäre wohl nicht allzu weit von den jetzigen Vereinbarungen entfernt. Ein weiterer Auslöser könnte eine bilaterale Eskalation zwischen den USA und China sein: Die Strafzölle zwischen den beiden Ländern sind bisher ohne eine längerfristige Einigung nur ausgesetzt. Ein wiederkehrendes Aufflammen dieses Handelskonfliktes ist durchaus zu erwarten. Vor den Zwischenwahlen im November hat die US-Regierung aber ein Interesse, Handelskonflikte nicht zu sehr eskalieren zu lassen. - Szenario 2
Der US-Inflationsschub könnte im ersten Halbjahr stärker ausfallen als erwartet, sei es, weil der Preisschub der Kerngüter stärker ausfällt oder weil der dämpfende Effekt fallender Mieten und Energiepreise ausbleibt. Dies könnte das Fed dazu veranlassen, den Leitzins nicht zu senken. Infolgedessen würden die langfristigen Zinsen ansteigen. Die Bewertungen von Aktien, Immobilien und Anleihen könnten unter Druck geraten. - Szenario 3
Der AI-Boom könnte in eine AI-Krise umschlagen, falls sich eine pessimistische Einschätzung des Potenzials von künstlicher Intelligenz durchsetzt. Dies könnte zu einer Korrektur amerikanischer Technologieaktien sowie des gesamten Aktienmarktes führen.
Gewissheit über Potenzial und Rentabilität von künstlicher Intelligenz werden wir erst mit der Zeit erlangen. Der Trend in der Nutzung von AI-Modellen durch zahlende Firmenkunden wird eine wichtige Messgrösse für diese Einschätzung sein.
Was sollten Sie als Anlegerin oder Anleger im Jahr 2026 beachten?
Wir gehen auch für das Jahr 2026 von einem guten Anlagejahr aus.
Dennoch sollten Sie sich als Anlegerin oder Anleger stets an Ihrer langfristigen Strategie orientieren. Der Beginn eines neuen Jahres kann ein guter Anlass sein, diese daraufhin zu prüfen, ob sie noch zu Ihren Zielen, Ihrer Risikokapazität und Ihrem Risikoappetit passt – ein Neujahrsvorsatz mit nachhaltigem Effekt.
Gezielte Anlageerfolge unabhängig von der Wirtschaftslage
Konkrete finanzielle Ziele mit einer Anlagestrategie erreichen, die genau auf Sie und Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage gezielt zum Anlageerfolg gelangen – zum Beispiel in einem kostenlosen Erstgespräch oder im Merkblatt «Anlagestrategie».
Dr. Peter Kaste
Chief Investment Officer Swiss Life Wealth Management AG
Dr. Peter Kaste ist Chief Investment Officer bei der Swiss Life Wealth Management AG. Er ist promovierter Physiker, CFA Charterholder, Mitglied der Swiss CFA Society sowie Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Nach seiner Promotion war Peter Kaste während mehrerer Jahre als Wissenschaftler an der École Polytechnique (Paris) sowie an der ETH Zürich tätig. Seit 2006 arbeitet er im Asset Management. Von 2008 bis 2023 baute er das Quantitative-Research-Team von Swiss Life Asset Managers auf und leitete es. Seit 2024 leitet er als Chief Investment Officer das Investment Management von Swiss Life Wealth Managers.
Hinweis: Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot, eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Dieser Beitrag enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Die vergangene Performance ist kein Indikator für laufende und zukünftige Entwicklungen und Ergebnisse. Investitionen in Finanzprodukte sind mit unterschiedlichen Risiken verbunden, wozu auch der potenzielle Verlust des eingesetzten Kapitals gehört.