2025 war für viele Privatanlegende ein anspruchsvolles Jahr. Unsere Mandate konnten sich trotzdem überdurchschnittlich entwickeln. Peter Kaste, CIO im Anlagegeschäft für Private, erläutert, welche Anlageentscheide den Unterschied machten – von Währungsabsicherungen bis zur aktiven Umsetzung institutioneller Strategien.
Die Anlagelösungen von Swiss Life überzeugen aktuell mit einer starken absoluten und relativen Performance. Im Gespräch erläutert CIO Peter Kaste, welche Rolle Positionierung, Szenarien und Währungsabsicherung spielen.
Die Vermögensanlagen unserer Privatkundinnen und -kunden haben sich zuletzt sehr positiv entwickelt – sowohl absolut als auch im Vergleich zu Benchmarks und Mitbewerbern. Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Gründe dafür?
Wir starteten in turbulenten Zeiten – und haben uns gut positioniert. Wir erwarteten, dass die Zinserhöhungen des Jahres 2022 keine Rezession auslösen würden – gleichzeitig blieb die Unsicherheit hoch. Darum setzten wir auf Substanzwerte, ein Aktienübergewicht und sichere Diversifikatoren wie Gold und Schweizer Immobilien.
Und gegenüber unseren Mitbewerbern?
Hier zahlte sich unsere konsequente Währungsabsicherung – gerade im Aktienbereich – aus. Der starke Franken schmälert Fremdwährungsrenditen; 2025 verlor der US‑Dollar deutlich an Wert. Dank Absicherung konnten wir diesen Effekt neutralisieren – ein klarer Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern.
CIO Peter Kaste sieht in der guten Positionierung des Anlagegeschäfts für Private den Hauptgrund für die derzeit starke Performance.
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Du betonst, dass die Performance kein Zufall ist, sondern das Resultat eines klaren
Investmentprozesses. Was zeichnet diesen Prozess konkret aus?
Wir übertragen die Anlagephilosophie von Swiss Life als einer der grossen institutionellen Anlegerinnen der Schweiz konsequent auf die Portfolios unserer Privatkundinnen und -kunden.
Am Anfang steht die strategische Vermögensaufteilung. Wir investieren nur in Anlageklassen, für die wir langfristig eine Risikoprämie erwarten, und gewichten sie auf Basis unserer langfristigen Risiko- und Renditeannahmen.
Für die mittlere Frist arbeiten wir mit einem Basisszenario für die kommenden drei Jahre sowie realistischen Alternativszenarien und deren Auslösern. Daraus leiten wir regelmässig taktische Anpassungen ab.
Unsere Anlagelösungen kombinieren aktive und passive Kollektivanlagen. Das erlaubt uns, gezielt verschiedene Renditequellen zu nutzen – bei gleichzeitig sehr attraktiven Kosten, da wir institutionelle Fonds einsetzen.
So verbinden wir langfristige Überzeugungen mit Flexibilität – und bleiben auch in turbulenten Phasen auf Kurs.
In den vergangenen Monaten habt ihr unter anderem auf Aktien, Schweizer Immobilien und Gold gesetzt. Welche Überlegungen standen dahinter?
Beim Aktienübergewicht sind wir davon ausgegangen, dass die Zentralbanken nach den Zinserhöhungen von 2022 die Geldpolitik rechtzeitig lockern, eine Rezession vermeiden würden und sich das Gewinnwachstum der Firmen wieder erholen wird.
Schweizer Immobilien waren nach 2022 attraktiv bewertet und profitierten von sinkenden Zinsen und stabiler Nachfrage. Gold dient der Diversifikation. In Phasen erhöhter Unsicherheit stabilisiert es die Portfolios nicht nur im Basisszenario, sondern auch in unseren Alternativszenarien.
Gleichzeitig haltet ihr eine hohe Währungsabsicherung. Warum?
Das ist strategisch begründet. Wir gehen nur Risiken ein, für die wir eine systematische Risikoprämie erwarten. Währungsrisiken werden langfristig nicht entschädigt – gerade für Schweizer Anlegende mit einer starken Heimwährung. Eine konsequente Absicherung erlaubt es uns, Risiko gezielt dort einzugehen, wo wir eine Mehrrendite erwarten. Diese strategische Positionierung unterscheidet uns von vielen Mitbewerbern und hat sich im vergangenen Jahr sehr stark ausgezahlt.
In turbulenten Marktphasen seid ihr ruhig geblieben und habt in Rückschlägen teilweise Positionen ausgebaut. Welche Rolle spielt Disziplin in eurem Anlageansatz?
Disziplin ist zentral. Gerade in turbulenten Phasen hilft uns der Blick auf unsere längerfristigen Annahmen, Ruhe zu bewahren. Marktrückschläge, die nicht mit dem erwarteten Verhalten in unseren langfristigen Szenarien übereinstimmen, sehen wir als mögliche Kaufgelegenheit.
Viele Menschen wissen, dass sie «eigentlich investieren sollten», schieben den Schritt aber hinaus. Was würdest du jemandem sagen, der zwar sparen kann – aber noch zögert, sein Geld wirklich für sich arbeiten zu lassen?
Der grösste Anlagefehler ist, nicht investiert zu sein. Wer auf den perfekten Einstiegszeitpunkt wartet, lässt sein Geld auf dem Konto liegen – und verzichtet langfristig auf Rendite.
Wer regelmässig spart, sollte deshalb auch regelmässig investieren. So bleibt man möglichst lange investiert und profitiert vom Durchschnittspreiseffekt.
Welche Rolle spielt gute Beratung für den Anlageerfolg – gerade für Menschen, die wenig Zeit oder Fachwissen haben?
Entscheidend ist eine Strategie, die zum Anlagehorizont, zur Risikofähigkeit, zur Risikobereitschaft und zu den persönlichen Zielen passt – und konsequent umgesetzt wird.
Menschen mit wenig Zeit oder Fachwissen profitieren dabei besonders von professioneller und individueller Beratung. Sie hilft, eine passende Strategie herzuleiten, strukturiert umzusetzen und auch in turbulenten Phasen daran festzuhalten.
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Dr. Peter Kaste
Chief Investment Officer Swiss Life Wealth Management AG
Dr. Peter Kaste ist Chief Investment Officer bei der Swiss Life Wealth Management AG. Er ist promovierter Physiker, CFA Charterholder, Mitglied der Swiss CFA Society sowie Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Nach seiner Promotion war Peter Kaste während mehrerer Jahre als Wissenschafter an der École Polytechnique (Paris) sowie der ETH Zürich tätig. Seit 2006 arbeitet er im Asset Management. Von 2008 bis 2023 baute er das Quantitative-Research-Team von Swiss Life Asset Managers auf und leitete dieses. Seit 2024 leitet er als Chief Investment Officer das Investment-Team von Swiss Life Wealth Managers.