Die zwischenzeitliche Sperrung der Strasse von Hormuz im Zuge des Irankriegs führte zur historisch grössten Verknappung der Ölversorgung. Die jüngste Waffenruhe und die vom iranischen Aussenminister angekündigte Wiederöffnung der Meerenge sind sehr positive Signale, eine dauerhafte Entspannung ist damit aber noch nicht gesichert. Für Wirtschaft und Märkte bleibt entscheidend, wie rasch eine dauerhafte Verhandlungslösung zustande kommt und wie schnell sich die Ölversorgung normalisiert. Wir erläutern drei Szenarien und deren Bedeutung für Anlegerinnen und Anleger.

In der Nacht vom 7. auf den 8. April haben sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt. Die Strasse von Hormuz soll im Zuge dieser Vereinbarung wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden. Die Märkte reagierten erleichtert: Die Börsen legten weltweit zu, während der Ölpreis deutlich nachgab und zeitweise auf rund 92 USD/Barrel (Brent) sank.

Das Abkommen ist als positives Signal für Geopolitik und Weltwirtschaft zu deuten. Von einem dauerhaften Frieden kann jedoch noch nicht gesprochen werden, da weitere Verhandlungen erst noch zeigen müssen, ob eine tragfähige Lösung möglich ist. Vieles deutet derzeit darauf hin, dass unser in diesem Beitrag skizziertes Szenario 1 eintreten könnte, sollte der Abschluss eines Friedensabkommens in den kommenden Wochen gelingen.

Das Wichtigste im Überblick

Als Reaktion auf den Angriff der USA und Israels vom 28. Februar sperrte Iran die Strasse von Hormuz für den internationalen Schiffsverkehr. Über diese Route wurden im vergangenen Jahr täglich knapp 20 Millionen Barrel Öl transportiert, was etwa 19% des weltweiten Ölverbrauchs entspricht. Die Sperrung der Strasse von Hormuz löste so die historisch grösste Verknappung der Ölversorgung aus.

Die Öl- und Gaspreise stiegen seither markant, während die Reaktion der übrigen Finanzmärkte gemessen am Ausmass der Störung bisher moderat ausfiel. Dies liegt vor allem an den vollen Öllagern der Abnehmerländer sowie der Erwartung, dass die Blockade der Strasse von Hormuz nur von kurzer Dauer sein wird.

Für die Weltwirtschaft bleiben zwei zentrale Fragen entscheidend:

  • Wie lange bleibt die Strasse von Hormuz gesperrt?
  • In welchem Umfang wird Ölinfrastruktur in der Golfregion zerstört?

Wir erläutern drei mögliche Szenarien und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmärkte:

  • Eine Verhandlungslösung im April durch die Vermittlung Dritter ohne weitere Zerstörung von Ölinfrastruktur
  • Eine Verhandlungslösung im Mai nach erneuter Eskalation der Kampfhandlungen und teilweiser Zerstörung von Ölinfrastruktur
  • Eine andauernde Schliessung der Strasse von Hormuz

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Warum sind die Golfregion und die Strasse von Hormuz für die globale Wirtschaft so zentral?

Öl und Gas sind äusserst wichtige Rohstoffe für die Weltwirtschaft: Im Jahr 2025 betrug der globale Ölverbrauch – inklusive Flüssiggas (Natural Gas Liquids (NGL)) – durchschnittlich 104,12 Mio. Barrel pro Tag. Dem stand eine globale Produktion von durchschnittlich 106,12 Mio. Barrel pro Tag gegenüber.

  • Mit durchschnittlich 21,18 Mio. Barrel pro Tag waren die USA im Jahr 2025 der mit Abstand bedeutendste Ölproduzent der Welt.
  • Danach folgte Russland mit 10,59 Mio. Barrel pro Tag.
  • An dritter Stelle folgte mit Saudi-Arabien (9,42 Mio. Barrel pro Tag) bereits der erste Golfstaat. Zusammen mit den übrigen Anrainern des Persischen Golfs (Iran [3,32 Mio.], Irak [4,43 Mio.], Vereinigte Arabische Emirate [3,46 Mio.], Kuwait [2,68 Mio.], Qatar [1,86 Mio.]) trug die Golfregion mit insgesamt 25,17 Mio. Barrel Öl pro Tag fast 24% zur globalen Ölproduktion bei.

Quelle: International Energy Agency (IEA) – Oil Market Report, März 2026

Die Strasse von Hormuz: zentrale Drehscheibe für
den globalen Ölhandel

Der Grossteil des im Persischen Golf geförderten Öls wird auf dem Seeweg durch die Strasse von Hormuz transportiert. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nicht nur die wichtigste Handelsroute für weltweite Ölexporte, sondern im aktuellen Konflikt auch das zentrale Druckmittel Irans.

Zwar verfügen einzelne Golfstaaten über alternative Exportwege. Deren Kapazitäten reichen jedoch nicht aus, um die Bedeutung der Strasse von Hormuz zu ersetzen:

  • Saudi-Arabien besitzt mit der East-West-Rohöl-Pipeline und der parallelen Abqaiq-Yanbu NGL-Pipeline die Möglichkeit, einen Teil seiner Produktion über den Hafen von Yanbu am Roten Meer zu exportieren.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate können Öl über die Abu-Dhabi-Crude-Oil-Pipeline (ADCOP) von Habshan nach Fujairah am Golf von Oman leiten.
  • Irak transportiert einen Teil seines Öls durch die Iraq-Türkiye-Pipeline (ITP) in die Türkei.

Trotz dieser alternativen Routen wurde 2025 mit durchschnittlich 19,87 Mio. Barrel Öl pro Tag der grösste Teil der Ölproduktion der Golfstaaten per Tanker durch die Strasse von Hormuz exportiert (siehe Abb. 1). Dies repräsentiert rund 19% des weltweiten Ölverbrauchs.

Bild2_CIO Update April 2026
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Abb. 1: Übersicht über die Öl- und Gasproduktionsstätten der Golfstaaten sowie von Pipelines zur Umgehung der Strasse von Hormuz. Quelle: International Energy Agency (IEA) – Oil Market Report, März 2026.

Die Sperrung der Strasse von Hormuz und ihre
unmittelbaren Folgen

Infolge des Angriffs Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar sperrte Iran die Strasse von Hormuz für die internationale Schifffahrt. Seither können ausschliesslich iranische Tanker und wenige Tanker befreundeter Staaten (mit Sondergenehmigung) die Meerenge passieren. Der Öltransit durch die Strasse von Hormuz ist infolgedessen auf ca. 10% seiner normalen Kapazität zusammengebrochen.

Ohne Anrechnung von Gegenmassnahmen ist das Ölangebot damit um ca. 17,5 Mio. Barrel Öl pro Tag (fast 17% des weltweiten Ölverbrauchs) eingebrochen. Dies ist die grösste jemals beobachtete Störung der globalen Energiemärkte. Nur während der Covid-Pandemie wurde kurzfristig ein ähnlich grosser Einbruch der Ölnachfrage beobachtet.

Welche Faktoren wirken der Angebotsverknappung
entgegen?

Angesichts des Ausmasses der Störung fällt die Reaktion der Finanzmärkte bislang bemerkenswert moderat aus.

Der Hauptgrund dafür ist die Hoffnung, dass die Sperrung der Strasse von Hormuz nur von begrenzter Dauer sein wird.

Ein zweiter Faktor sind die hohen Lagerbestände:

Die Überproduktion des letzten Jahres von ca. 2 Mio. Barrel pro Tag wurde genutzt, um strategische und kommerzielle Öllager aufzufüllen:

  • Global hielten die Ölabnehmer per Januar 2026 Ölreserven von 8'210 Mio. Barrel Öl.
  • Die OECD-Länder hielten davon insgesamt 4'068 Mio. Barrel, davon 1'248 Mio. Barrel als staatliche strategische Ölreserven und 2'820 Mio. Barrel als Reserven in der Industrie. Damit können die OECD-Länder ihren Bedarf für ca. 90 Tage decken.

Am 11. März beschlossen die 32 Mitgliedsländer der International Energy Agency (IEA), 400 Mio. Barrel ihrer strategischen Ölreserven für den Markt verfügbar zu machen. China allein hält Reserven von ca. 1'200 Mio. Barrel Öl, was die Nettoimporte für ca. 120 Tage deckt.

Ungefähr 2'000 Mio. Barrel Öl befanden sich bei Ausbruch des Krieges in Tankern auf den Weltmeeren, sei es im Transit oder als schwimmende Lager. 487 Mio. Barrel davon entfielen jedoch auf sanktioniertes Öl aus Russland, Iran und Venezuela. Um dieses Öl verfügbar zu machen, hob die US-Regierung am 5. März Sanktionen für den Import von russischem und am 20. März für den Import von iranischem Öl auf, welches sich bereits in Tankern auf den Weltmeeren befand.

Der dritte Grund für die moderate Reaktion der Märkte sind alternative Exportwege:

Saudia-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über Pipelines, mit denen sich ein Teil ihrer Exporte an der Strasse von Hormuz vorbeileiten lässt. Die saudische East-West Rohöl-Pipeline und die Abu-Dhabi-Crude-Oil-Pipeline (ADCOP) können ihre Kapazitäten um ca. 5,5 Mio. Barrel Öl pro Tag erhöhen.

Auch ungenutzte Ölförderkapazitäten können zur Linderung des Angebotsschocks beitragen, allerdings nur in begrenztem Umfang. Die ungenutzten Kapazitäten betragen weltweit nur ca. 3,9 Mio. Barrel pro Tag, wovon jedoch 3,2 Mio. Barrel aus der Golfregion stammen und daher aufgrund der gestörten Transportwege aktuell nicht exportiert werden könnten.

Sowohl die Nutzung von strategischen Ölreserven als auch die Erhöhung der Kapazitäten der alternativen Pipelines können nur Zeit kaufen.

Die kritischen Fragen bleiben:

  • Wie lange bleibt die Strasse von Hormuz für den Schiffsverkehr gesperrt?
  • Und in welchem Umfang zerstören die Kampfhandlungen Ölinfrastruktur?

Wie haben die Finanzmärkte bisher auf den Irankrieg reagiert?

Die Öl- und Gaspreise haben der Natur des Schocks entsprechend am stärksten auf die Krise reagiert und im März um 63,3% bzw. 58,8% zugelegt (siehe Abb. 2).

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Abb. 2: Der Ölpreis (erster Öl-Futures Kontrakt der Sorte «Brent» in USD/Barrel) und der Gaspreis (erster Dutch TTF Natural Gas Futures Kontrakt in EUR/MWh) hatten im März deutlich zugelegt. Die Zeitperiode des Irankriegs ist grau hinterlegt (letzter Datenpunkt 08.04.2026, 12:00). Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers

Die meisten übrigen Finanzanlagen hatten ihre Gewinne aus Januar und Februar wieder eingebüsst oder sogar noch stärkere Verluste verzeichnet. Angesichts des Ausmasses der Störung am Energiemarkte fallen die Korrekturen allerdings moderat aus.

In Lokalwährung gab der Schweizer Aktienmarkt (SPI) im März um -7.37% nach, der S&P 500 um -4.98%, der EuroStoxx 50 um -9.14% und der MSCI Emerging Markets Index in USD um -13.04% (siehe Abb. 3).

Da die Aktienmärkte im Januar und Februar deutlich gestiegen waren, lagen die Kurse per Anfang April in der Nähe der Jahresendwerte 2025. Nach der Verständigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe in der Nacht auf den 8. April reagierten die Aktienmärkte mit Kursgewinnen.

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Abb. 3: Die globalen Aktienmärkte haben seit Ausbruch des Irankriegs an Wert eingebüsst. Die Zeitperiode des Irankriegs ist grau hinterlegt (letzter Datenpunkt 07.04.2026, Schlusskurse). Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers

Die risikofreien Zinsen stiegen aus Sorge vor steigender Inflation weltweit. Die Kreditspannen von Firmenanleihen weiteten sich aus. Beides liess die Kurse von Obligationen fallen (siehe Abb. 4). Schweizer Anleihen handelten Anfang April wieder auf dem Niveau von Ende 2025.

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Abb. 4: Die globalen Obligationenmärkte haben seit Ausbruch des Irankriegs an Wert eingebüsst, wobei Fremdwährungsobligationen stärker gelitten haben als Anleihen in Schweizer Franken. Die Zeitperiode des Irankriegs ist grau hinterlegt (letzter Datenpunkt 07.04.2026, Schlusskurse). Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers

Auch kotierte Schweizer Immobilien haben unter dem Zinsanstieg gelitten und notierten per 7. April 1,64% unter ihrem Jahresendwert 2025. 
Gold wurde seinem Ruf als sicherer Hafen nicht gerecht: Der Preis fiel im März um –11,76%. Nach der starken Rally zu Jahresbeginn lag er in US-Dollar per 7. April aber weiterhin fast 6% über seinem Jahresendwert 2025.
Der Schweizer Franken zeigte ebenfalls keine für sichere Häfen typische Entwicklung und verlor im März gegenüber den meisten Währungen an Wert. Eine mögliche Erklärung dafür: Die Schweizerische Nationalbank könnte durch Intervention am Devisenmarkt eine Aufwertung des Schweizer Frankens verhindert haben.Der US-Dollar hat stattdessen im März gegenüber dem Schweizer Franken um ca. 3,9% aufgewertet.

Welche Szenarien sind für den weiteren Verlauf denkbar?

Die Entwicklung eines Krieges lässt sich nur schwer vorhersagen, selbst dann, wenn sich mit Israel und den USA auf der einen Seite sowie Iran auf der anderen Seite zwei sehr ungleiche Gegner gegenüberstehen. In dieser Situation ist es hilfreich, die strategischen Ziele der USA den Risiken gegenüberzustellen, die Washington vor den US-Zwischenwahlen im November dieses Jahres vermeiden will.

Was wollen die USA erreichen?Was wollen die USA vermeiden?
Ein Ende der nuklearen Bedrohung durch Iran
Einen langen Krieg
Ein Ende der Bedrohung durch iranische ballistische Raketen und DrohnenEine Bodenoffensive
Ein Ende der Destabilisierung der Region durch Iran und dessen Proxy-Milizen in Gaza,
Libanon, Syrien, Irak und Jemen
Eine länger anhaltende Störung der globalen Energieversorgung mit dauerhaft hohen Energiepreisen
 Einen Anstieg der Inflation
 Fallende Aktienmärkte und steigende Zinsen

Israel und die USA haben die Chance gesehen, die gegenwärtige Verwundbarkeit des iranischen Regimes auszunutzen, um dieses dauerhaft zu schwächen. Ein möglicher Regimewechsel wäre aus ihrer Sicht zwar willkommen, wird aber nicht als eigenes Ziel verstanden. Vielmehr betrachten sie ihn als Aufgabe des iranischen Volkes.

Die USA und Israel sind Iran militärisch weit überlegen. Ihre Luftschläge haben viele militärische Anlagen und Waffensysteme zerstört, militärisches und politisches Führungspersonal ausgeschaltet und nukleare Infrastruktur weiter beschädigt. Dennoch bleibt das Regime zu Gegenschlägen fähig, und der Repressionsapparat gegenüber der eigenen Bevölkerung bleibt intakt.

Nachdem die iranische Zivilbevölkerung in der Niederschlagung der Januar-Demonstrationen Tausende von Todesopfern zu beklagen gehabt und eine Führungsfigur der Opposition gefehlt hat, ist ein Sturz des Regimes momentan unwahrscheinlich. Vieles spricht daher dafür, dass sich die USA mit dem aktuellen Regime über eine Beendigung des Krieges einig werden müssen.

Erhöhter Druck auf Washington

Mit der Sperrung der Strasse von Hormuz hat Iran ein wirksames Druckmittel eingesetzt, um die wirtschaftlichen Kosten für die USA und die Welt in die Höhe zu treiben, zumal eigene Tanker die Meerenge weiterhin passieren konnten.

US-Präsident Trump hat damit die Kontrolle über den wichtigsten Eskalationsfaktor in diesem Konflikt aus der Hand gegeben . Ein Rückzug, während Iran die Meerenge weiterhin geschlossen hält, wäre kaum mit dem Anspruch Amerikas, den Einfluss in der Region zu bewahren, zu vereinbaren. Entweder muss der US-Präsident bereit sein, die Strasse von Hormuz militärisch zu öffnen und offen zu halten, oder er muss eine Einigung mit dem iranischen Regime treffen.

Ölexporte als Achillesferse des neuen Regimes

Nachdem Israel und die USA die bisherige Führungsriege eliminiert haben, ist unklar, wer im iranischen Regime aktuell die Entscheidungen trifft. Vieles deutet darauf hin, dass die militärische Führung der Revolutionswächter an Einfluss gewonnen hat. Für US-Präsident Trump könnte dies ein Vorteil sein: Mit korrupten Militärs dürfte sich eher eine Einigung finden lassen als mit ideologisch geprägten religiösen Hardlinern.

Die Revolutionswächter sind nicht nur der militärische Arm des Regimes, sie kontrollieren auch einen grossen Teil der iranischen Wirtschaft. Ihr vorrangiges Interesse dürfte darin bestehen, ihre Macht und ihre wirtschaftlichen Privilegien zu sichern. Einnahmen aus dem Ölexport sind dafür zentral, nicht zuletzt zur Finanzierung des Repressionsapparats gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Genau darin liegt die Achillesferse jedes iranischen Regimes: Die glaubhafte Drohung, Iran durch das Aufhalten iranischer Tanker, die Zerstörung von Ölinfrastruktur oder die Besetzung der Insel Charg – dem logistischen Rückgrats der iranischen Ölexportwirtschaft – die Fähigkeit zum Export von Öl zu nehmen, ist das wichtigste Verhandlungsinstrument der US-Regierung.

Szenario 1: «Verhandlungslösung nach Vermittlung durch Dritte»

Im marktfreundlichsten Szenario reicht die Drohkulisse der Amerikaner aus, um das neue iranische Regime noch im Laufe des Aprils zu einer für beide Seiten akzeptablen Einigung zu bewegen, ohne die iranische Ölinfrastruktur anzugreifen. Denkbar wäre dabei die Vermittlung durch einen Drittstaat mit guten Beziehungen zu beiden Seiten. Vieles spricht dafür, dass die US-Regierung diese Rolle Pakistan zugedacht hat.

Die Strasse von Hormuz würde nach der Einigung wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet. Bis der Transit das Vorkriegsniveau erreicht, dürften allerdings mehrere Wochen vergehen.

Ähnliches gilt für die Wiederaufnahme der Ölförderung durch die Golfstaaten: Volle Lager, fehlende Exportmöglichkeiten sowie beschädigte Anlagen haben dort zu Produktionskürzungen und teils zu Stilllegungen geführt. Eine vollständige Normalisierung dürfte Wochen oder sogar Monate dauern. Die gut gefüllten Öllager der Abnehmerländer sollten aber in der Lage sein, diese Zeitspanne zu überbrücken.

Wir erwarten, dass der Ölpreis nach der Einigung wieder auf ein Niveau von 80 bis 100 USD/Barrel sinken wird und per Jahresende 2026 mit einem Niveau von 75 bis 80 USD/Barrel fast wieder das Niveau bei Kriegsausbruch erreichen wird. Die Öl-Futures-Kontrakte der Terminbörsen preisen per Anfang April ein solches marktfreundliches Szenario ein, auch wenn der Juni-Kontrakt mit 109 USD/Barrel per 2. April noch etwas höher handelt (siehe Abb. 5).

Die Finanzmärkte würden sich in diesem Szenario nach Bekanntwerden der Einigung schnell erholen, insbesondere die Aktienmärkte.

Update vom 8. April 2026: In der Nacht vom 7. auf den 8. April haben sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Gleichzeitig kündigte Irans Aussenminister Abbas Araghtschi an, die Strasse von Hormuz im Rahmen dieser Waffenruhe wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Diese Schritte sprechen dafür, dass beide Seiten eine weitere Eskalation vermeiden und den Weg für eine politische Lösung offen halten wollen.

Gelingt es, die Waffenruhe in den kommenden Wochen in ein tragfähiges Abkommen zu überführen, würde dies klar für unser Szenario 1 sprechen: eine Verhandlungslösung nach Vermittlung Pakistans, bevor zusätzliche Schäden an der Ölinfrastruktur eintreten oder es zu einer erneuten Sperrung der Strasse von Hormuz kommt. Für die Märkte wäre dies die günstigste Konstellation, da sie eine schrittweise Normalisierung der Ölversorgung ermöglichen und den gesamtwirtschaftlichen Schaden begrenzen würde.

OilFuturesCurve_evolution_ytd_de (2)
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Abb. 5: Die Öl-Futures-Kontrakte der Terminbörsen preisten per Jahresende 2025 noch einen konstanten Ölpreis von ca. 60 USD/Barrel für die zweite Jahreshälfte 2026 ein. Am Tag vor dem Kriegsausbruch war der Ölpreis für die Lieferung im Juni bereits auf 72 USD/Barrel gestiegen, während die Dezember-Lieferung mit 68,6 USD/Barrel leicht tiefer lag. Per 2. April war der Ölpreis für die Juni-Lieferung auf 109 USD/Barrel gestiegen, während für die Dezember-Lieferung eine Normalisierung auf 79 USD/Barrel eingepreist ist. Nach der Verständigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe in der Nacht auf den 8. April sank der Ölpreis vor allem für eine Lieferung in den kommenden Monaten. Quellen: Bloomberg, Swiss Life Wealth Managers

Szenario 2: «Verhandlungslösung nach nochmaliger Eskalation»

Das zweite, etwas weniger marktfreundliche Szenario erfordert eine nochmalige Eskalation der amerikanischen Angriffe, bevor das iranische Regime im Mai einer Einigung zustimmt. Dabei könnte ein Teil der iranischen Ölinfrastruktur zerstört werden.

Gleichzeitig besteht das Risiko, dass auch Ölinfrastruktur in den übrigen Golfstaaten durch iranische Angriffe teilweise in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Öffnung der Strasse von Hormuz für den internationalen Schiffsverkehr würde sich gegenüber Szenario 1 um rund drei bis vier Wochen verzögern.

Wir erwarten, dass der Ölpreis während der Eskalation auf rund 110 bis 130 USD/Barrel ansteigen würde. Nach der Einigung würde er voraussichtlich auf ein Niveau von 90 bis 110 USD/Barrel sinken, denn der Ölmarkt bleibt unterversorgt, bis die Reparaturen der Ölinfrastruktur abgeschlossen sind.

Erst im Jahr 2027 wäre ein Niveau von 80 bis 90 USD/Barrel wieder realistisch. Die notwendige Wiederauffüllung strategischer Reserven sorgt für zusätzliche Nachfrage und hält den Ölpreis leicht erhöht.

Im Zuge einer erneuten Eskalation würden die Risikoprämien an den Finanzmärkten ansteigen, was insbesondere an den Aktienmärkten und bei den Unternehmensanleihen nochmals zu Kursverlusten führen dürfte.

Die Einigung und eine Normalisierung der Ölversorgung kämen aber auch in diesem Szenario früh genug, sodass die vorhandenen Reserven diese Zeitspanne überbrücken können und die globale Wirtschaft nicht dauerhaft beschädigt würde. Nach Bekanntwerden einer Einigung wäre daher auch hier mit einer Erholung der Finanzmärkte zu rechnen, jedoch von einem niedrigeren Niveau aus startend als im ersten Szenario.

Szenario 3: «Andauernde Schliessung der Strasse von Hormuz»

Das Szenario einer andauernden Schliessung der Strasse von Hormuz oder einer weitreichenden Zerstörung von Ölinfrastruktur in der Golfregion hätte für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte äusserst negative Auswirkungen:

  • Eine längerfristige Verknappung des Ölangebots um 10 bis 15 Mio. Barrel pro Tag, beziehungsweise rund 10% bis 14% der weltweiten Nachfrage, liesse sich nicht mehr durch Reserven kompensieren. Die Folge wäre eine Unterversorgung des Marktes und ein erneuter deutlicher Preisanstieg.
  • Die steigende Inflation würde Zentralbanken dazu veranlassen, die Leitzinsen zu erhöhen. Die Energieverknappung und -verteuerung würden gleichzeitig auf dem realen Wirtschaftswachstum lasten und könnten vor allem in den energieimportierenden Staaten Europas und Asiens zu einer Rezession führen. Sollten die Staaten den Abschwung mit Fiskalpaketen abfedern, dürften die Zentralbanken die Zinsen erhöht halten, um die anhaltenden Inflationstendenzen zu dämpfen. Anderenfalls könnten sie die Zinsen wieder senken, um das Wirtschaftswachstum zu unterstützen.

An den Finanzmärkten würde dieses Szenario zu einer ausgeprägten Korrektur mit ungewisser Dauer führen.

Die US-Regierung hat ein starkes Interesse daran, Szenario 3 zu vermeiden.

Selbst die exportorientierte und energieintensive Wirtschaft Chinas würde in einem solchen Umfeld leiden. Als wichtigster Abnehmer iranischen Rohöls verfügt China über substanziellen Einfluss auf das iranische Regime. Beginnt die eigene Wirtschaft zu leiden, könnte China diesen Einfluss zugunsten einer Öffnung der Strasse von Hormuz einsetzen.

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Welche längerfristigen Konsequenzen könnte der Irankrieg für die Weltwirtschaft haben?

Krisen zeigen unbarmherzig Verwundbarkeiten und Schwächen auf. Damit können sie aber auch Anstoss zu sinnvollen Veränderungen geben:

  • Der Irankrieg und die daraus resultierende Energieverknappung dürfte das bereits vorhandene Streben nach mehr Versorgungssicherheit und einer verstärkten Diversifikation der Energielieferanten weiter beschleunigen.
  • Gleichzeitig dürfte auch der Umbau des Energiesystems zusätzlichen Schub erhalten: Die Abhängigkeit von Öl und Gas dürfte durch eine stärkere Elektrifizierung von Wirtschaft und Mobilität sowie den Ausbau lokaler Solar-, Wind-, Wasser- und Nuklearenergie weiter sinken.

Der Ausgang des Irankriegs dürfte auch Konsequenzen für die Rolle der USA als Schutzmacht der Golfstaaten haben – eine Funktion, die sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs innehaben. Im Rahmen der Petrodollar Vereinbarung von 1974 verpflichtete sich Saudi-Arabien, sein Öl ausschliesslich in US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug sprachen die USA Saudi-Arabien militärische Unterstützung zu, lieferten militärische Ausrüstung und gaben Sicherheitsgarantien ab. Weitere Golfstaaten folgten dem saudischen Beispiel.

Der US-Dollar dominiert die globale Handelsabwicklung und die globalen Währungsreserven also auch aufgrund des Petrodollars: Wenn Staaten den grössten Teil ihres Aussenhandles in US-Dollar abwickeln müssen, halten sie auch ihre Fremdwährungsreserven zum Grossteil in dieser Währung. Die ölexportierenden Staaten legten ihre Petrodollareinnahmen zudem vornehmlich in US-Finanzwerten an.

Seit 2024 ist Saudi-Arabien nicht mehr verpflichtet, sein Öl ausschliesslich in US-Dollar zu fakturieren. Verlieren die USA ihre Rolle als Schutzmacht der Golfregion, dürfte die Wahrscheinlichkeit steigen, dass Öl und Gas vermehrt auch in anderen Währungen gehandelt werden. Die sinkende Bedeutung fossiler Energieträger für die globale Wirtschaft könnte die Dominanz des US-Dollar ebenfalls schwächen. Beide Tendenzen hätten langfristig das Potenzial, den US-Dollar strukturell zu belasten.

US-Präsident Trump zeigt sich zudem erbost über die mangelnde Bereitschaft der NATO-Partner, bei der Öffnung der Strasse von Hormuz behilflich zu sein, die Nutzung von US-Stützpunkten auf ihrem Staatsgebiet für die Durchführung des Irankriegs zu erlauben oder Überflugrechte zu gewähren. Ein Austritt der USA aus der Nato gilt aufgrund der erforderlichen Zweidrittelmehrheit im US-Senat als unwahrscheinlich. Dennoch haben die Beziehung und das gegenseitige Vertrauen innerhalb des westlichen Verteidigungsbündnisses wiederum Schaden genommen – nicht ohne Mitverantwortung auf beiden Seiten.

Was sollten Sie als Anlegerin oder Anleger beachten?

Kriege erzeugen kurzfristig Unsicherheit und Schwankungen an den Finanzmärkten. Nur selten haben sie aber langfristige Auswirkungen auf die Märkte.

Die US-Regierung hat ein starkes Interesse, den Irankrieg in den kommenden Wochen zu beenden und den freien Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz wiederherzustellen. Allerdings ist eine erneute Eskalation des Krieges in den nächsten Wochen möglich, was die Turbulenzen an den Märkten nochmals erhöhen würde.

Wenn Ihre langfristige Anlagestrategie korrekt auf Ihr Risikoprofil abgestimmt ist und Sie über einen langfristigen Anlagehorizont verfügen, sollten Sie sich weiterhin an Ihrer Strategie orientieren.

Verfügen Sie über freies Kapital für Investitionen, wäre das Kriegsende bzw. die Wiederöffnung der Strasse von Hormuz voraussichtlich ein guter Moment, um dieses zu investieren.

Wer hingegen regelmässig investiert, muss sich um diese Timing-Fragen keine Sorgen machen, sondern profitiert über die Zeit vom Durchschnittspreiseffekt.

Gezielte Anlageerfolge unabhängig von der Wirtschaftslage 

Konkrete finanzielle Ziele mit einer Anlagestrategie erreichen, die genau auf Sie und Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist: Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage gezielt zum Anlageerfolg gelangen – zum Beispiel in einem kostenlosen Erstgespräch oder im Merkblatt «Anlagestrategie».  

Porträtbild von Dr. Peter Kaste, Leiter Financial Engineering bei Swiss Life Asset Managers

Dr. Peter Kaste

Chief Investment Officer Swiss Life Wealth Management AG

Dr. Peter Kaste ist Chief Investment Officer bei der Swiss Life Wealth Management AG. Er ist promovierter Physiker, CFA Charterholder, Mitglied der Swiss CFA Society sowie Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Nach seiner Promotion war Peter Kaste während mehrerer Jahre als Wissenschaftler an der École Polytechnique (Paris) sowie an der ETH Zürich tätig. Seit 2006 arbeitet er im Asset Management. Von 2008 bis 2023 baute er das Quantitative-Research-Team von Swiss Life Asset Managers auf und leitete es. Seit 2024 leitet er als Chief Investment Officer das Investment Management von Swiss Life Wealth Managers.

Hinweis: Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot, eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Dieser Beitrag enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Die vergangene Performance ist kein Indikator für laufende und zukünftige Entwicklungen und Ergebnisse. Investitionen in Finanzprodukte sind mit unterschiedlichen Risiken verbunden, wozu auch der potenzielle Verlust des eingesetzten Kapitals gehört.

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