Nach einem sehr erfolgreichen Anlagejahr 2024 werfen wir einen Blick auf das kommende Jahr. Was erwartet uns 2025? Die Ökonomen von Swiss Life haben fünf Thesen formuliert, die aufzeigen, wie sich die Märkte entwickeln könnten und was dies für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
Das Wichtigste im Überblick
Eine starke US-Wirtschaft bei gleichzeitigen Zinssenkungen der Zentralbanken haben 2024 eine Rally an vielen Finanzmärkten ausgelöst. Für 2025 gehen die Ökonomen von Swiss Life davon aus, dass die US-Wirtschaft weiterhin robust wächst und die kontinentaleuropäischen Zentralbanken eine stimulierende Geldpolitik verfolgen werden. Die Inflation wird zwar nicht überall auf das Zielniveau zurückkehren, aber unter Kontrolle bleiben, während die Schuldenwirtschaft weitergeht. China wird 2025 weiterhin als Wachstumsmotor ausfallen. Für entwickelte Aktienmärkte, Schweizer Immobilien und den US-Dollar sind dies positive Aussichten für das Anlagejahr 2025.
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CIO Update November 2024
Werfen Sie einen Blick auf den letzten Beitrag «Präsident Trump und was er für die Finanzmärkte bedeutet».
Unsere detaillierte Experteneinschätzung lesen Sie im Folgenden.
Was zeichnete das Jahr 2024 aus?
Das Jahr 2024 zeichnete sich vor allem durch die erstaunlich robuste US-Wirtschaft aus, die das Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes kontinuierlich über die Erwartungen der Ökonomen hinausschiessen liess. Angetrieben wurde dieses Wachstum durch hohe Staatsausgaben und starken Privatkonsum. Im Gegensatz dazu entwickelten sich die europäische und die chinesische Wirtschaft vergleichsweise schwach. Dennoch bewahrte die Aussicht auf eine moderate Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit die europäischen Arbeitsmärkte und die Finanzmärkte vor Verwerfungen.
Der Rückgang der Inflation erlaubte allen grossen Zentralbanken, ihre Zinsen zu senken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) war mit einer ersten Zinssenkung im März Vorreiterin. Insgesamt senkte die SNB den Leitzins in mehreren Schritten um 1,25 Prozentpunkte auf einen Zins von 0,5% per Dezember und setzte damit den grössten Zinsschritt des Jahres. Die europäische Zentralbank und das amerikanische Fed senkten ihre Zinsen jeweils um 1,0 Prozentpunkte auf Werte von 3,0% bzw. 4,5% per Ende 2024.
Eine unerwartet stark wachsende Wirtschaft gepaart mit den Zinssenkungen der Zentralbanken war Wasser auf die Mühlen der Finanzmärkte. Infolgedessen konnten sich Schweizer Anlegerinnen und Anleger über sehr ansprechende Renditen auf fast allen Anlagen freuen, wie die folgende Grafik zeigt.
Abb. 1: Net Total Return in Schweizer Franken verschiedener Anlagen im Jahr 2024.
Anleihen in Schweizer Franken zählten mit einer Rendite von 5,3% zum zweiten Mal in Folge zu den Spitzenreitern unter den Obligationenmärkten. Schweizer Aktien (Swiss Performance Index, SPI) erzielten mit 6,2% ebenfalls eine ansehnliche Rendite. Diese verblasst aber gegenüber den 35,2% des amerikanischen Aktienmarktes (S&P 500). Letzterer profitierte aus Sicht der Schweizer-Franken-Anlegenden nicht nur von einer herausragenden Marktperformance, sondern auch von einer Aufwertung des US-Dollar. Schweizer Immobilienfonds profitierten von den fallenden Zinsen und stellten mit einer Rendite von 17,6% die Schweizer Aktien ebenfalls in den Schatten. Auch Gold hat mit einer Rendite von 35,1% in Schweizer Franken ein ausserordentlich starkes Jahr hinter sich.
Im Jahr 2024 hat mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung gewählt. Die grösste Aufmerksamkeit haben die US-Wahlen vom 5. November 2024 erhalten. Unser Quartalsbericht Ende September 2024 gab einen Ausblick auf die US-Wahlen und betonte, dass Anlegerinnen und Anleger weiterhin Ruhe bewahren sollten. Ein Szenario hoben wir hervor, welches die Annahmen unseres Basisszenarios verändern könnte: die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zusammen mit einer republikanischen Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Dieses Wahlresultat ist eingetreten. In einem Flash-Kommentar nach der Wahl erläuterten wir die volkswirtschaftlichen und finanzmarktbezogenen Konsequenzen dieses Ergebnisses. Auch unser folgender Ausblick für das Jahr 2025 ist massgeblich geprägt von der Politik der neuen US-Regierung, die am 20. Januar 2025 ihr Amt antreten wird.
Fünf Thesen zum Jahr 2025
These 1: «Die USA eilen Europa beim Wirtschaftswachstum weiter davon»
Die US-Wirtschaft ist bereits in den vergangenen 20 Jahren real stärker gewachsen als die europäische Wirtschaft. Die Divergenz hat in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Die stärker wachstumsorientierte Politik der neuen US-Regierung wird die Wachstumsdifferenz aufrechterhalten oder sogar noch verstärken.
These 2: «Kontinentaleuropa geht zu einer expansiven Geldpolitik über»
Die rückläufige Inflation und die schwache europäische Konjunktur erlauben den europäischen Zentralbanken weitere Zinssenkungen, insbesondere der EZB. Dabei werden die Zinsen auch im Euroraum auf ein Niveau gesenkt, welches stimulierend auf die Wirtschaft wirkt. Mit einem Leitzins von 0,5% ist dies in der Schweiz bereits heute der Fall.
These 3: «Trump 2.0 beinhaltet inflationäre Elemente, es besteht aber kein Grund zur Panik»
Mehrere Elemente der politischen Agenda Donald Trumps haben einen erhöhenden Einfluss auf die US-Inflation. So führt die Einführung von Handelszöllen zu einem temporären Preisschub auf Gütern. Die Ausweitung des Staatsdefizits und die restriktive Immigrationspolitik hingegen lösen einen dauerhafteren Inflationsdruck aus. Andererseits weiss Donald Trump, dass die US-Bürgerinnen und -Bürger Inflation nicht mögen. Wir gehen daher davon aus, dass die Androhung exzessiver Handelszölle Teil der Verhandlungstaktik der neuen US-Regierung ist, die tatsächlichen Zölle aber niedriger und gezielter ausfallen werden.
These 4: «Der Ausbau der Schuldenwirtschaft geht weiter»
Die USA verzeichnete 2024 mit 1,83 Billionen US-Dollar eine überraschend hohe Neuverschuldung – trotz robustem Wirtschaftswachstum, niedriger Arbeitslosigkeit und der Tatsache, dass sie keinen Krieg führten. Unter der neuen US-Regierung wird die Schuldenaufnahme angesichts von hohen Ausgabenplänen bei gleichzeitigen Steuererleichterungen nicht kleiner werden. In Europa haben Frankreich und Italien so hohe Staatsdefizite, dass beiden Ländern ein Defizitverfahren der EU droht. Sie werden ihre Neuverschuldung daher nicht ausweiten können, aufgrund von starkem innenpolitischem Druck aber auch nicht merklich reduzieren wollen. In Deutschland könnte eine neue Regierung das Staatsdefizit erhöhen, um dringliche Investitionen in die Erneuerung der Infrastruktur und höhere Verteidigungsausgaben zu finanzieren.
These 5: «Chinas Immobiliensektor beruhigt sich, aber nun belastet der Handelskonflikt»
Chinas Wachstum wurde in den vergangenen Jahren von der Krise im Immobiliensektor gebremst. Die Regierung hat inzwischen Richtlinien für ein Massnahmenpaket zur Ankurbelung der Wirtschaft definiert. Die Umsetzung steht allerdings noch aus. Während der Immobiliensektor sich zu stabilisieren beginnt, droht ein Handelskonflikt mit der neuen US-Regierung. China wird daher weiter als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft ausfallen, was auch exportorientierte europäische Firmen belastet.
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Was bedeuten diese Thesen für die Finanzmärkte im Jahr 2025?
Die Zentralbanken werden zu Beginn des Jahres 2025 mit Zinssenkungen fortfahren. Die anhaltend robuste US-Wirtschaft und eine Inflation über dem Zielwert werden das amerikanische Fed jedoch dazu zwingen, die Zinssenkungen im ersten Halbjahr zu pausieren. Gemäss unseren Ökonomen wird die Schweizer Inflation im Sommer auf null sinken. Die Exportwirtschaft hat ein Interesse an einem schwächeren Schweizer Franken, die Schweizerische Nationalbank hat jedoch nur noch 0,5% Spielraum bis zum Nullzins und wird voraussichtlich keine Negativzinsen einführen. Die EZB hat den grössten Spielraum für Zinssenkungen, um das schwache europäische Wirtschaftswachstum zu stimulieren und die Exportwirtschaft mit einer Schwächung des Euro zu unterstützen. Wir erwarten daher im Jahr 2025 stärkere Zinssenkungen der EZB, während das Fed und die SNB bald pausieren werden.
Die aktuellen Zinskurven im Schweizer Franken, im US-Dollar und im Euro sind zu flach und werden im Verlauf des Jahres 2025 steiler werden. Da Zinssenkungen der SNB und des Fed begrenzt sind, erwarten wir, dass die kurzfristigen Zinsen im Schweizer Franken und im US-Dollar nur leicht sinken werden, während kurzfristige Zinsen im Euro etwas stärker fallen können. Die längerfristigen Zinsen aller drei Währungen sind seit der US-Wahl in Erwartung einer inflationären Politik der neuen US-Regierung bereits gestiegen, obwohl die Zentralbanken ihre Leitzinsen gesenkt haben.
Die Kreditprämien auf Unternehmensanleihen sind im US-Dollar sehr niedrig, im Euro etwas höher. Das Kreditrisiko wird daher ungenügend entschädigt, besonders wenn man die erwarteten Kreditausfälle berücksichtigt. Für 2025 erwarten wir insgesamt einen leichten Anstieg der Kreditprämien.
Die oben genannten Zinsszenarien deuten darauf hin, dass Anlegerinnen und Anleger im Jahr 2025 nur geringe Renditen mit Anleihen erzielen werden, diesmal auch bei Anleihen in Schweizer Franken. Anleihen hoher Qualität bieten jedoch einen Diversifikationseffekt für Aktienrisiken, insbesondere in Portefeuilles mit defensivem Risikoprofil.
Wir erwarten, dass Aktien auch im Jahr 2025 die Anlageklasse mit der höchsten Rendite sein werden. Dabei dürften amerikanische Aktienmärkte den übrigen Märkten wiederum davoneilen, obwohl ihre Rendite weniger stark ausfallen wird als 2024. Die Rendite wird nicht mehr durch höhere Bewertungen getrieben, wir erwarten sogar einen Bewertungsrückgang. Stattdessen wird das robuste Gewinnwachstum im Vordergrund stehen, welches nicht mehr nur durch Technologietitel getragen, sondern breiter abgestützt sein dürfte. Europäische Aktien werden durch eine schwächere Binnenkonjunktur und den Handelskonflikt mit den USA belastet, sollten jedoch nicht abgeschrieben werden. Die Bewertungen sind niedriger und die Erwartungen moderat. Exportorientierte Unternehmen der Eurozone profitieren von einem sich abschwächenden Euro, während ihre Schweizer Pendants, insbesondere mittelständische Unternehmen, unter einem starken Schweizer Franken leiden. Schwellenländeraktien werden durch einen schwachen chinesischen Aktienmarkt gebremst, sollten aber dennoch positiv rentieren.
Schweizer Immobilienfonds haben in der zweiten Jahreshälfte 2024 eine Rally erlebt, getrieben durch gesunkene Zinsen. Angesichts des weiterhin niedrigen Zinsniveaus bleibt die Anlageklasse attraktiv. Insbesondere für defensivere Risikoprofile bieten Immobilien eine interessante Möglichkeit zur Diversifikation von Aktienrisiken.
Aufgrund der relativen Zinsbewegungen der Zentralbanken und des relativen Wirtschaftswachstums erwarten wir einen weiterhin starken US-Dollar, der auch gegenüber dem Schweizer Franken weiter aufwerten könnte, sowie einen abwertenden Euro.
Diese Marktaussichten hatten wir bereits in unserem Flash-Kommentar nach den US-Wahlen skizziert. Vieles hat sich seitdem bereits entsprechend entwickelt, und wir erwarten, dass diese Trends sich fortsetzen werden.
Welche Kennzahlen werden wir beobachten?
Um zu beurteilen, ob sich die Wirtschaft und die Finanzmärkte gemäss unseren Erwartungen entwickeln werden, beobachten wir einerseits die Umsetzung der politischen Agenda der neuen US-Regierung. Wie schnell realisiert diese Steuersenkungen und Deregulierung und in welchem Ausmass und in welcher Höhe führt sie Handelszölle ein? Die Entwicklung der Inflation wird entscheidend sein für den Spielraum der Zentralbanken für weitere Zinssenkungen. Andererseits sind die Arbeitsmärkte von zentraler Bedeutung für den Privatkonsum. Die Auftragsbücher und die Kapazitätsauslastungen der Unternehmen werden Aufschluss geben, ob die Firmen beginnen werden, verstärkt zu investieren.
Was sollten Sie als Anlegerin oder Anleger im Jahr 2025 beachten?
Auch für 2025 erwarten wir ein gutes Anlagejahr. Dennoch sollten Sie sich als Anlegerin oder Anleger stets an Ihrer langfristigen Strategie orientieren. Der Beginn eines neuen Jahres bietet eine gute Gelegenheit, diese zu prüfen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin mit Ihren Zielen, Ihrer Risikokapazität und Ihrem Risikoappetit in Einklang steht. Dies ist auf jeden Fall ein Neujahrsvorsatz mit nachhaltigem Effekt.
Dr. Peter Kaste
Chief Investment Officer Swiss Life Wealth Management AG
Dr. Peter Kaste ist Chief Investment Officer bei der Swiss Life Wealth Management AG. Er ist promovierter Physiker, CFA Charterholder, Mitglied der Swiss CFA Society sowie Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Nach seiner Promotion war Peter Kaste während mehrerer Jahre als Wissenschaftler an der École Polytechnique (Paris) sowie an der ETH Zürich tätig. Seit 2006 arbeitet er im Asset Management. Von 2008 bis 2023 baute er das Quantitative-Research-Team von Swiss Life Asset Managers auf und leitete es. Seit 2024 leitet er als Chief Investment Officer das Investment Management von Swiss Life Wealth Managers.
Hinweis: Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot, eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Dieser Beitrag enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Die vergangene Performance ist kein Indikator für laufende und zukünftige Entwicklungen und Ergebnisse. Investitionen in Finanzprodukte sind mit unterschiedlichen Risiken verbunden, wozu auch der potenzielle Verlust des eingesetzten Kapitals gehört.